Conti-Chef Manfred Wennemer
Westfälischer Dickkopf

Am Mittwoch hat Conti-Chef Manfred Wennemer seinen bisher größten Triumph gefeiert: Er hat sich beim Poker um den Siemens-Autozulieferer VDO mit Hartnäckigkeit, vielen Tricks und Kniffen gegen einen reichen Finanzinvestor aus den USA durchgesetzt. Wie er das genau geschafft hat, ist bemerkenswert.

MÜNCHEN. Wörtlich übersetzt, ist Mathematik die Kunst zu lernen. Als Manager hat es der gelernte Mathematiker Manfred Wennemer in dieser Kunst weit gebracht. In der Rückschau summieren sich die Ergebnisse seiner Lernerfolge unter dem Strich zu einer gewaltigen Summe, die sich im Aktienkurs des Unternehmens Continental AG widerspiegelt.

Im Kampf um den Autozulieferer Siemens-VDO hat Wennemer bewiesen, dass er notfalls bereit ist, sogar gegen alle guten Regeln zu handeln, um am Ende im Plus zu sein. „Wennemer wollte VDO unbedingt“, sagt einer, der ihn gut kennt. Und er hat sich tatsächlich durchgesetzt. Gestern gab der Siemens-Konzern bekannt, dass er seine Tochter für 11,4 Milliarden Euro an Conti verkauft.

Wenn Wennemer mit seinem westfälischen Sturkopf etwas will, dann kann das für die Gegenseite ziemlich anstrengend werden. So war der Conti-Chef seit Monaten unterwegs, um sein großes Ziel mit allen nur denkbaren Tricks und Kniffen doch noch durchzusetzen: Aus Conti, dem lange ziemlich verstaubten Reifenkonzern, mit Hilfe von Siemens-VDO einen der großen Automobilzulieferer der Welt zu machen.

Wennemer ist Münsterländer, Westfale also. Von Natur aus ist dieser Menschenschlag extrem beharrlich. Das sagt man ihm jedenfalls nach. Der Vater war Dorfpolizist in Ottmarsbocholt, platt, grün, viele Bauernhöfe und noch mehr Kegelclubs. Wer es von dort an die Spitze eines Weltkonzerns schafft, der muss frühzeitig etwas werden wollen. Bei Wennemer stand das nie außer Frage, systematisch hat er sich auf eine Karriere vorbereitet, sie hartnäckig entwickelt.

Hartnäckigkeit, sein Markenzeichen also. Redet man mit Experten für Firmenübernahmen, dann ist die erste Warnung, die sie geben, über den Deal nur ja nicht in der Öffentlichkeit zu reden. Doch Wennemer hat in Sachen VDO von Anfang an massiv gegen das Tabu verstoßen, ja, er hat sogar über Preise geredet und damit in Sachen Fusionen und Übernahmen zumindest in Deutschland etwas Unerhörtes gewagt. „Als wären wir auf dem Basar“, sagte dazu ein hoher Siemensianer, not amused. Wennemer hat sich von Gegenwind zumindest äußerlich kaum beeindrucken lassen. Wann immer er in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit auftauchte, immer hat er etwas zu sagen gehabt zum Thema VDO. Anfangs ist der geplante Börsengang das Ziel seiner Attacken, seit einigen Wochen ist es der amerikanische Konkurrent TRW, hinter dem die Finanzinvestoren von Blackstone stehen, Stephan A. Schwarzman und Konsorten.

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