Conti-Chef nimmt seinen Hut
Wennemer – der tragische Held

Mit der Schaeffler-Gruppe übernimmt ein fränkisches Familienunternehmen die Macht bei Europas zweitgrößtem Zulieferer hinter Bosch – und Conti-Chef Manfred Wennemer stirbt am Ende der Übernahmeschlacht den „Heldentod“. Einer der erfolgreichsten Vorstandschefs im Dax kommt zu Fall, weil er den einstigen Reifenhersteller zu einer der weltweit führenden Branchengrößen ausbaute.

kö/mcs/HB DÜSSELDORF. Die erste Reaktion Wennemers auf die Übernahmeofferte Schaefflers im Juli war kontrolliert: Nüchtern wie immer, ohne Zeichen von Hektik oder gar Emotion, trug der bisherige Conti-Chef die Lage vor, berichteten damals Aufsichtsräte. In der Öffentlichkeit jedoch kündigte er Widerstand an, wetterte, das Angebot sei zu niedrig und malte den Teufel an die Wand: Contis Zerschlagung drohe. Die Schaeffler-Gruppe ging er direkt an und bezeichnete das Vorgehen als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Schaeffler habe sich rechtswidrig über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, Zugriff auf insgesamt 36 Prozent an Conti verschafft.

Eine wirksame Verteidigungslinie, die über eine – mittlerweile entkräftete – Beschwerde bei der Bankenaufsicht BaFin hinausging, konnte Wennemer allerdings nicht erarbeiten. Erstmals in seinen fast sieben Jahren an der Conti-Spitze lief der Manager der Entwicklung hinterher. Das drohende Unheil aus Franken hatte den Westfalen völlig überrascht.

Genau so überraschend kommt für viele sein Abgang. Analysten sagen, dass sie den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer nicht erwartet hätten. Sie hätten mit einer freundschaftlichen Einigung zwischen Schaeffler und dem bisherigen Vorstand gerechnet. Auch bei dem fränkischen Familienunternehmen hatte es geheißen, man wolle den Conti-Vorstandschef Wennemer trotz dessen scharfer Kritik an der Übernahme halten. „Wir wollen, dass der Conti-Vorstand mit Wennemer an der Spitze weitermacht“, sagte ein Sprecher Ende Juli.

Auch jetzt wird seitens Schaeffler zum Rücktritt des Conti-Chefs Bedauern ausgedrückt. „Wir respektieren die Entscheidung, hätten aber gerne weiter mit ihm zusammen gearbeitet“, erklärte Geschäftsführer Jürgen Geißinger. Wer Wennemer beerben soll – dazu lehnte Schaeffler eine Stellungnahme ab. Es wird erwartet, dass der Conti-Aufsichtsrat bereits bis Anfang kommender Woche den Nachfolger beruft.

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