Continental
Bewährungsprobe für den Kronprinzen

Contis Finanzchef Alain Hippe genießt einen exzellenten Ruf. Er gilt als kenntnisreich und äußerst zuverlässig. Jetzt bereitet sich auf höhere Aufgaben vor. Hippe übernimmt das Reifenressort und die Tech-Sparte – und stärkt seinen Anspruch auf den Chefsessel.

DÜSSELDORF. „Ich glaube nicht an die derzeitige Weltuntergangsstimmung.“ Nur wenige Wochen ist es her, dass Alain Hippe diesen Satz sagte. Und nachschob: „Aber wir bereiten uns auf alle Fälle vor.“ Der Finanzvorstand des Autozulieferers Continental hatte Ende Februar gerade mit Konzernchef Manfred Wennemer Rekordzahlen für 2007 präsentiert, als ihn das „Handelsblatt“ nach den Folgen der Kreditkrise und der Rezessionsangst in den USA befragte. Wir bereiten uns auf alles vor – das Motto gilt auch für Hippe selbst.

Nun bereitet sich der 41-Jährige Hippe auf den Sprung an die Spitze von Continental vor. Zum 1. April überlässt Wennemer, der in diesem Jahr 61 Jahre alt wird, dem Aufsteiger die Führung der PKW-Reifensparte und damit die Keimzelle des Dax-Konzerns. Erst seit sechs Jahren ist der geborene Darmstädter Hippe bei Conti in Hannover – und hat es schon zum Kronprinzen gebracht.

Die Bedeutung des Reifen-Ressorts lässt sich schon allein daran ermessen, dass es der Vorstandschef bisher persönlich verantwortete. Das Geschäft mit den Reifen ist ein stabiler Cash-Bringer. „Das hat die Übernahme von VDO und die damit verbundene Milliardenverschuldung erst möglich gemacht“, sagt Autoanalyst Horst Schneider von HSBC.

Damit nicht genug: zum 1. Oktober übernimmt Hippe auch noch die Sparte ContiTech. Deren Chef Gerhard Lerch verlässt dann aus Altersgründen den Vorstand. Der Bereich stellt Spezialschläuche und -systeme her. Bis ein Nachfolger für Hippe gefunden ist, führt der Kronprinz parallel das Finanzressort. „Jetzt muss Hippe zeigen, was er operativ kann“, heißt es in Kreisen des Conti-Aufsichtsrates. „Ist er erfolgreich, winkt ihm der Posten des Vorstandschefs.“

Das lange defizitäre US-Reifengeschäft darf Zahlenmann Hippe schon seit knapp drei Jahren betreuen – und hat es endlich profitabel gemacht. Bei Anlegern und Analysten hat der promovierte Betriebswirt einen exzellenten Ruf, kenntnisreich und äußerst zuverlässig. Verwundert hat die Finanzgemeinde nur, dass ausgerechnet Hippe und Wennemer vergangenes Jahr nach einer Kapitalerhöhung zur Finanzierung des VDO-Deals in großem Stil eigene Aktien verkauften. Die Vorstände seien wegen des Aktien-Optionsprogramms des Konzerns an Fristen gebunden, erläuterte ein Conti-Sprecher.

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