Continental
Elmar Degenhart gelingt das Comeback

Continental schafft die zweite Rückkehr in den Dax. Zunächst galt der Conti-Chef als Fremdkörper im Unternehmen, als Gesandter des Großaktionärs. Doch er hat schnell eine große Akzeptanz errungen.
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HamburgDonnerstagvormittag ist es endlich so weit. Elmar Degenhart wird in der Frankfurter Börse den offiziellen Aufstieg seines Unternehmens in den Dax feiern, die Königsklasse der deutschen Aktienwerte. Degenharts Auftritt wird wie immer sein: freundlich und selbstbewusst, aber nicht triumphal. Die Stimme eher leise, mit dem Singsang seiner badischen Heimat.

Dabei dürfte er sich laute Töne durchaus erlauben. Die 141 Jahre alte Continental AG aus Hannover schreibt Wirtschaftsgeschichte: Conti gelingt als erstem Unternehmen die zweifache Rückkehr in den Dax. Den Topindex musste der Reifenhersteller und Autozulieferer zuletzt 2008 nach der Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler verlassen - Streubesitz und Marktkapitalisierung genügten nicht mehr den Anforderungen der Börse.

Dabei fühlt sich Conti im Dax zu Hause. Als der Index 1988 entstand, waren die Niedersachsen Gründungsmitglied. 1996 musste Conti das erste Mal für sieben Jahre die Börsen-Bundesliga wegen zu geringer Marktkapitalisierung verlassen.

Nun ist der Konzern zurück. Elmar Degenharts Stärke ist die Kraft der Integration. Der Chef von 170 000 Mitarbeitern in 46 Ländern will seine Beschäftigten mitnehmen, sie überzeugen. "Er tut viel für die Seele des Unternehmens", heißt es im Vorstand. Die Strategie ging auf, Conti hat im ersten Halbjahr 16,5 Milliarden Euro umgesetzt, 32 Milliarden Euro sollen es im Gesamtjahr werden.

Stolz waren seine Vorgänger in der Konzernzentrale, als sie 2007 für mehr als elf Milliarden Euro den Konkurrenten VDO von Siemens übernahmen. Continental wähnte sich ein gutes Stück vorangekommen auf dem Weg vom Reifenmischer zum modernen, elektroniklastigen Autozulieferer.

Der Abstand zum weit größeren Marktführer Bosch aus Stuttgart war geschrumpft. Doch der damalige Vorstandschef Manfred Wennemer zahlte einen hohen Preis für den Deal, der Aktienkurs sackte ab. Schaeffler nutzte die Schwäche, beteiligte sich heimlich. Der Rest ist Geschichte: Wennemer musste im August 2008 gehen, Nachfolger Karl-Thomas Neumann dankte nach einem weiteren Jahr ebenfalls ab.

Damit schlug vor drei Jahren die Stunde von Degenhart. Als er im August 2009 in Hannover antrat, beäugten die leidgeprüften Mitarbeiter ihn kritisch als Gesandten des Großaktionärs Schaeffler, dessen Autosparte er zuvor geführt hatte. Wennemer sprach ihm gar die Eignung ab.

Doch der promovierte Luft- und Raumfahrtechniker traf den richtigen Ton - und überzeugte selbst die Skeptiker. Degenhart kam zugute, dass er Continental kannte. Von 1998 bis 2003 leitete er Contis elektronische Bremssysteme. "Elmar Degenhart hat schnell hohe Akzeptanz gefunden, sowohl intern als auch bei Kunden und Investoren", stellte Chefaufseher Wolfgang Reitzle bald fest. Degenhart brachte die Niedersachsen zurück auf Wachstumskurs, zahlte den Anlegern wieder eine Dividende, vermittelte den Mitarbeitern eine neue Kultur - geprägt von "Vertrauen, Freiheit, Gewinnermentalität und Verbundenheit". Und führte Conti in den Dax.

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  • Interessanter Werdegang von Continental, vor allem, da es kein Unternehmen jemals geschafft hat 2 Mal zurückzukehren. Somit hat die Fusion mit Schaeffler doch noch ein Happy End gefunden, da ja Schaeffler auch tatkräftig mitgeholfen hat Continental wieder an die Spitze zu bringen.

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