Controlling-Vorstand Schneider mit ersten Erfolgen
Frischer Wind bei der Münchener Rück

Jungenhaft wirkt Jörg Schneider: schlaksige Figur, ein verschmitztes Lächeln. Seine 45 Lebensjahre sieht man dem Assekuranz-Manager und Familienvater nicht an. Eher erinnert der hoch gewachsene Jurist in manchen Momenten an einen Schuljungen. Kaum zu glauben, dass Schneider an einer der Schlüsselstellen der deutschen Wirtschaft sitzt.

MÜNCHEN. Schon seit 15 Jahren steht Schneider auf der Gehaltsliste des weltweit größten Rückversicherers. Und doch zählt er zu einer neuen Garde der Führungsriege. Zusammen mit dem designierten Vorstandsvorsitzenden Nikolaus von Bomhard, der am ersten Januar sein Amt antreten wird und selbst schon 18 Jahre bei der Münchener Rück arbeitet, will Schneider den Versicherer mit dem angestaubten Image behutsam modernisieren. Die Rollenverteilung ist klar: Von Bomhard soll ab Januar nach außen wirken, der Chef der Zahlen hält ihm schon jetzt intern den Rücken frei.

Keine einfache Aufgabe, denn die Zeiten für Rückversicherer sind hart. Der Absturz an den Börsen, der Terroranschlag auf das World Trade Center und Naturkatastrophen haben der Branche zugesetzt – allen voran der Münchener Rück.

Doch Schneider kann erste Erfolge aufweisen. Wenn der Versicherer heute die neuesten Zahlen herausbringt, dürfte der Konzern nach fünf bitteren Verlustquartalen erstmals wieder Gewinne schreiben. Letzte Woche verkaufte er zudem für gut 675 Millionen Euro Allianz- Anteile, und das nahezu geräuschlos. Vor zwei Wochen konnten Schneider und von Bomhard den erfolgreichen Abschluss der Kapitalerhöhung melden. Erlös: fast vier Milliarden Euro. Der Erfolg geht vor allem auf das Konto des neuen Tandems, denn die beiden hatten zuvor eine aufreibende Werbetour bei Investoren und Analysten absolviert und für Vertrauen in die Münchener Rück geworben.

Das hatte zuletzt hässliche Schrammen bekommen. Im Sommer hatte Standard & Poor’s (S&P) die Einstufung der Rückversicherer nach unten gesetzt. Die mächtige Ratingagentur forderte vehement eine Kapitalerhöhung. Wie ein Schulbub fühle er sich, klagte damals Jörg Schneider. Er erkannte bald, dass der Kampf nicht zu gewinnen war, dass S&P einfach am längeren Hebel sitzt. Mitte Oktober trat die Münchener Rück nach langem und hartem Ringen im Vorstand den Rückzug an und beschloss die Kapitalerhöhung.

Der selbstbewusste Schneider musste die Entscheidung den Analysten und Investoren verkaufen. Seit Juli 2001 verantwortet der promovierte Jurist, dem auch mal Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt wurden, die Bereiche Rechnungswesen, Controlling und Steuern. Seit Oktober 2003 ist er auch für Investor-Relations zuständig, hat sich bei Investoren Ansehen erworben. In Erscheinung tritt er trotzdem selten. Auch für Schneider ist Zurückhaltung oberste Pflicht. Sein Lebenslauf, der nur auf Anfrage verschickt wird, beschränkt sich auf 13 magere Zeilen.

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