COO Countrywide
Doppelter Ramsch

Erst verdient er Millionen, indem er armen Leuten Hypothekendarlehen aufschwatzt, die sie nicht bedienen können. Dann kauft er die Kredite billig auf, rückt den Schuldnern auf die Bude und verdient aufs Neue. Stanford L. Kuland ist ein Schurke – und doch ist das nicht die ganze Wahrheit. Warum die Branche in der Krise auf Männer wie Kurland angewiesen ist.

NEW YORK. Bösartigerweise lebt Kurland auch noch im schönen Kalifornien und „lehnt sich bequem in seinem Ledersessel zurück, während an der Wall Street die Kurse abstürzen“, schreibt die New York Times, die empört über den Krisengewinner berichtete.

Schurkenstücke lesen sich gut, doch die Wirklichkeit ist komplizierter: Kurland ist ein erfahrener Manager. Der 56-Jährige war ein Vierteljahrhundert bei Countrywide beschäftigt. Die vergab Hypothekendarlehen und hatte einen guten Ruf – bis die Immobilienblase platzte. Da stellte sich heraus, dass Countrywide – wie viele andere – tausende Wackel-Kredite vergeben hatte. In einer Notoperation wurde das Institut von der Bank of America übernommen.

Kurland aber hatte die Firma bereits zwei Jahre zuvor verlassen. Wie viel Verantwortung er für die verfehlte Geschäftspolitik trägt, ist unklar. Als Chief Operation Officer stand er in zweiter Reihe hinter dem langjährigen Chef Angelo Mozilo. Allerdings muss der gelernte Wirtschaftsprüfer wohl über die Richtlinien zur Kreditvergabe informiert gewesen sein. Der New Yorker Generalstaatsanwalt klagt ihn an, weil er die Aktionäre über die Risiken des Geschäfts getäuscht haben soll. Kurland weist das zurück.

Sicher ist, dass er das Unternehmen im Streit mit seinem Chef verließ. Seine Abfindung betrug 25,4 Mio. Dollar. Außerdem löste er Aktienoptionen im Wert von mehr als 100 Mio. Dollar ein. Damit und mit Investorengeldern von Black Rock und Highfield gründete er PennyMac mit Sitz nordwestlich von Los Angeles in Calabasas, wo Kurland wohnt, nicht weit weg von Countrywide. Dir Firma kauft im großen Stil unsichere Kredite, die am Markt günstig gehandelt werden. Kürzlich akquirierte er beispielsweise ein Paket im Nennwert von 558 Mio. Dollar von der staatlichen Einlagenversicherung FDIC. Die hatte die Kredite nach der Pleite einer Regionalbank übernehmen müssen. Kurland bekam sie mit Abschlägen von 50 bis 70 Prozent. Weil er die Darlehen so günstig erwirbt, kann er den Schuldnern Zugeständnisse machen. Viele Zwangsversteigerungen können vermieden werden. Ganz so böse kann Kurland also nicht sein.

Auch wenn eine Verbraucherschützerin Leute wie ihn mit Brandstiftern vergleicht, die erst ein Haus anzünden und nun die verkohlten Reste verscherbeln. Doch ohne Kurland und Co geht es offenbar nicht. Die Bewertung und Neuverhandlung von Krediten ist kompliziert. Kredite von bis zu einer Billion Dollar müssen in den nächsten Jahren neu bewertet werden, schätzt Kurland. Und dafür brauchte es Spezialisten und das sehen sogar manche Leser der New York Times so : „Mögen die Leute unsympathisch sein – wir brauchen sie, um den Markt zu stabilisieren“, kommentierte Blogger Hank im Forum der Zeitung.

Stanford L. Kurland

1952/1953: Geburt in Van Nuys nahe Los Angeles. Genaues Datum unbekannt.

1975: Bachelor in Betriebswirtschaft an der California State University, danach Berufsstart bei der Prüfungsgesellschaft Grant Thornton

1979: Wechsel zur Hypothekenbank Countrywide, Aufstieg COO

2006: Weggang im Streit

2008: Gründung von PennyMac

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%