Cordes muss für Daimlers Ertragsperle seinen Fokus komplett ändern
Ganz vorsichtig an die Spitze

Eckhard Cordes soll Mercedes-Benz-Chef werden. Dem nüchternen Finanzmann fehlt Benzin im Blut, fürchten manche. Aber Vorsicht trägt Früchte.

FRANKFURT. Der Mann kann schweigen. „Meine Gedanken konzentrieren sich auf zwei Dinge: meine Familie und meine jetzige Arbeit.“ Dies sind die einzigen Sätze, die Daimler-Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes noch am Freitag zu den Spekulationen um den Mercedes-Chefsessel zu entlocken sind. Der Manager gilt nicht nur als gewieft. Er ist auch abergläubisch. Eine Fahne mit dem Schriftzug des neuen Konzerns wollte der heute 53-jährige Top-Manager, der für die Stuttgarter 1998 die Fusion mit Chrysler in monatelangen Geheimgesprächen festzurrte, erst aufhängen, als die Aktionäre dem Deal zugestimmt hatten. Monatelang lag das Stück Stoff in einer Kammer hinter seinem Büro.

Vorsicht trägt Früchte. Intern hat sich der Autokonzern inzwischen auf den engen Vertrauten von Konzernchef Jürgen Schrempp als neuen Mister Mercedes festgelegt. Eine entsprechende Entscheidung soll der Aufsichtsrat am 29. Juli treffen. Die Spitzen der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerbank haben sich mit Schrempp darauf verständigt, dass Cordes künftig auf einem der begehrtesten Posten der Branche Platz nehmen soll.

Räumlich ist dies zwar nur ein Umzug von einer Etage in eine andere der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen. Doch Cordes muss für Daimlers Ertragsperle seinen Fokus komplett ändern. Als Nutzfahrzeugchef waren bisher vor allem seine Qualitäten als Sanierer gefragt. So führte er erfolgreich die angeschlagene LKW-Sparte zurück in die Gewinnzone. Doch Mercedes ist kein Sanierungsfall, sondern die tragende Säule des Konzerns.

Cordes’ Vorgänger Jürgen Hubbert hat es in den vergangenen Jahren geschafft, die Modellpalette in alle Richtungen aufzufächern, ohne den Premiumcharakter der Marke zu beschädigen. Die Mercedes Car Group, zu der neben Mercedes auch die Luxuskarossen Maybach und die Kleinstwagenmarke Smart zählen, liefert konstant mehr als die Hälfte des Konzerngewinns.

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