Corporate Governance „Ehrbarer Kaufmann“ soll Leitbild für Manager sein

Das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ ist künftig im deutschen Kodex für gute Unternehmensführung enthalten. Die zuständige Kommission hat sich dabei gegen den Widerstand aus einigen Konzernen durchgesetzt.
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Die Sorge mancher Unternehmen, mit der Aufnahme des Leitbildes vom ehrbaren Kaufmann entstünden neue Haftungsrisiken, hält der Kommissionsvorsitzende für unbegründet. Quelle: imago/Stefan Zeitz
Manfred Gentz

Die Sorge mancher Unternehmen, mit der Aufnahme des Leitbildes vom ehrbaren Kaufmann entstünden neue Haftungsrisiken, hält der Kommissionsvorsitzende für unbegründet.

(Foto: imago/Stefan Zeitz)

DüsseldorfFür manche Manager mag es überraschend sein. „Gute Unternehmensführung zeichnet sich durch legales und ethisch fundiertes, eigenverantwortliches Verhalten aus.“ So ist es jetzt im Deutschen Corporate Governance Kodex nachzulesen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, ist es offensichtlich in den Führungsetagen heimischer Unternehmen keineswegs. Den Plan der Kodex-Kommission, das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ zum Aushängeschild zu machen, hätten einige Juristen deutscher Konzerne am liebsten verhindert.

Die Deutsche Bank etwa kommentierte den im Herbst vorgestellten Plan der Kommission mit den Worten: Der Gebrauch von Begriffen wie Legitimität oder „ehrbarer Kaufmann“ eröffne „Spielraum für Aktionärsklagen“. Das Geldhaus hält es deshalb für „problematisch“, solche Formulierungen aufzunehmen. Heftiger Protest kommt auch vom Chemiekonzern BASF. Für die vorgeschlagene Ergänzung „sehen wir keinen Bedarf und halten sie angesichts ihrer Offenheit und Weite für äußerst fragwürdig und nicht geeignet, Unternehmensführung in deutschen Unternehmen zu verbessern.“

Kommissionschef Manfred Gentz sieht das vollkommen anders. Er hält die „Furcht der Unternehmen vor Haftungs- und Anfechtungsrisiken“ für unbegründet. Natürlich sei der Regierungskommission klar, dass der Ehrbare Kaufmann wenig konkret sei. Gentz geht es aber darum, Managern einen „moralischen inneren Kompass“ an die Hand zu geben und unternehmerisches Handeln nicht nur an der korrekten Erfüllung von Gesetzen zu messen. Die Kommission will mit dieser Ergänzung ihrer Präambel „Bewusstsein“ schaffen. Den juristischen Bedenkenträger aus der Wirtschaft hält der scheidende Kommissionschef entgegen. „Wenn man Entscheidungen getroffen hat, muss man dazu auch stehen.“

Ende Februar übergibt der ehemalige Daimler-Finanzchef Gentz nach vier Jahren den Vorsitz der Regierungskommission an den Wirtschaftsprüfer Ralf Nonnenmacher. Nonnenmacher hat im Gegensatz zu seinen Vorgängern Gentz, Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp) kein Unternehmen geführt, sondern die Prüfungsgesellschaft KPMG. Seine Wahl durch den Bundesjustizminister ist deshalb nicht unumstritten.

Allerdings gehörte Nonnenmacher zur Gründungskommission des Kodex im Jahr 2001. Damals formulierten von der Regierung berufene Experten erstmals Regeln für eine gute und transparente Unternehmensführung in Deutschland, den so genannten Corporate-Governance-Kodex.

Der wird regelmäßig überarbeitet und ergänzt. Gentz führte das Konsultationsverfahren ein. Verbände, Unternehmen und Berater haben seitdem im Vorfeld eine Kodexänderung Gelegenheit, Stellung zu nehmen.

Beim Verdienst sind Dax-Vorstände nur Mittelmaß
Platz vier für deutsche Vorstände
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Die Vorstandsvorsitzenden deutscher Unternehmen haben 2015 im Median weniger verdient als ihre Kollegen in Europas 100 größten Unternehmen. Das geht aus der Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ von Willis Towers Watson hervor, die jährlich die Gesamtdirektvergütungen von CEOs des letzten Geschäftsjahres in den nach Marktkapitalisierung führenden Unternehmen untersucht. Während 2015 im Vergleich zum Vorjahr die Vergütungen der CEOs in Europa im
Median um rund sechs Prozent von 5,4 auf 5,8 Millionen Euro anstiegen, sanken diese in den Dax-Unternehmen von 5,1 auf 4,5 Millionen Euro. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz vier. Danach folgen Frankreich, die Benelux-Staaten, Italien und die nordeuropäischen Länder.

Bestbezahlte Manager in Europa
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Am besten werden Top-Manager in der Schweiz bezahlt. Ihre Gesamtdirektvergütung stieg im Mittel im Vergleich zum Vorjahr um 14,7 Prozent. Mit 8,8 Millionen Euro liegen sie 52 Prozent über dem Median der untersuchten europäischen Unternehmen. Danach folgt Spanien mit 7,2 Millionen Euro und Großbritannien mit 6,8 Millionen Euro.

Lukrativste Branchen
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Auch nach Branchen betrachtet ergeben sich deutliche Unterschiede. Am besten zahlen unter den größten europäischen Unternehmen die Pharma- und die Konsumgüterindustrie (plus 81 und plus 31 Prozent im Vergleich zum Median der Eurotop 100-Unternehmen). In Deutschland lohnt es sich dagegen eher, Chef eines Autobauers zu sein...

Platz zehn der Dax-Chefs: Norbert Steiner
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Nobert Steiner, der Vorstandschef des Salz- und Rohstoff-Konzerns K+S, der mittlerweile im MDax gelistet ist, hält die rote Laterne: 2015 bekam er eine Direktvergütung von 2,3 Millionen Euro, im Jahr davor verdiente er mit 2,1 Millionen Euro noch etwas weniger.

Platz neun der Dax-Chefs: Jürgen Fitschen
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Jürgen Fitschen, Ex-Co-Chef der Deutschen Bank, verbuchte wegen des milliardenschweren Rekordverlusts seines Hauses die größten Einbußen. Seine „erwartete Direktvergütung“ brach um 43 Prozent auf 3,8 Millionen Euro ein.

Platz acht der Dax-Chefs: Rice Powell
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Den größten Sprung machte Rice Powell, Chef des Dialyse-Konzerns Fresenius Medical Care (FMC). Sein Gehalt verdoppelte sich 2015 der Studie zufolge auf 5,4 Millionen Euro. Rechnet man die Wechselkursschwankungen heraus, ergibt sich gar ein Plus von 68 Prozent.

Platz sieben der Dax-Chefs: Kasper Rorstedt
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Gut verdient hat 2015 auch der Ex-Vorstandsvorsitzende von Henkel, Kasper Rorsted. Klebstoff, Waschmittel und Kosmetika bescherten ihm eine direkte Vergütung von 5,35 Millionen Euro.

Nicht unumstritten ist auch die neue Anregung der Kommission, dass der Aufsichtsratsvorsitzende eines Unternehmens mit wichtigen Investoren Gespräche führen sollte. Gegner dieser Regelung befürchten, dass damit der Einflussnahme von Finanzinvestoren Tür und Tor geöffnet wird. Zulasten der Kleinaktionäre, die dann nicht über vergleichbare Informationen verfügen, geschweige denn über Einflussmöglichkeiten durch solche direkten Gespräche.

Zudem legt das deutsche Aktienrecht fest, dass nur der Vorstand für ein Unternehmen spricht. Aber es sei nicht verboten „über das Gesetz hinauszugehen“, verteidigt Gentz die neu Regelegung. Im Übrigen liege der Kodex jetzt im Einklang mit der international gepflegten Praxis.

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