Corporate Governance: Vorstand, Aufsichtsrat und die dritte Kraft

Corporate Governance
Vorstand, Aufsichtsrat und die dritte Kraft

Kodexchef Manfred Gentz lehnt zu viel Einfluss institutioneller Investoren auf Unternehmen ab. Er löst damit eine heftige Debatte aus. Was hat das für Auswirkungen auf die Hauptversammlungskultur?

BerlinKein Jahr ist es her, dass die Corporate-Governance-Kommission, die im Auftrag der Bundesregierung Regeln zur guten Unternehmensführung entwirft, für Aufregung sorgte. Im Sommer musste Kommissionschef Manfred Gentz Empfehlungen zum Zeitbudget von Aufsichtsräten gegen heftige Kritik verteidigen. Das gehe zu sehr ins Detail, hieß es.

Nun hat sich Gentz ein noch größeres Thema vorgenommen: den Einfluss von institutionellen Investoren auf Unternehmen. Gentz warnte auf einer Tagung der Fondsgesellschaft Union Invest und der Welt-Gruppe in Berlin davor, Aufsichtsräten und Vorständen „weitere Ratgeber“ ohne Legitimation aufzuzwingen. Das fürchtet der ehemalige Daimler-Finanzchef als eine Folge der geplanten EU-Aktionärsrichtlinie.

Institutionelle Investoren hätten „keine weitergehenden Rechte und Pflichten“ als einfache Aktionäre. Es könne nicht sein, dass Brüssel neben Vorstand und Aufsichtsrat einen „Dritten“ installiere, der auch noch „quasi-öffentliche und Gemeinwohlinteressen“ vertreten soll.

Gentz machte damit deutlich, dass die EU-Richtlinie seiner Ansicht nach das duale deutsche Führungssystem aus Vorstand und Aufsichtsrat ignoriert. Nicht nur das: Nach deutschem Gesetz habe ein Aktionär auch ein „Recht auf Passivität“. Institutionelle Investoren sollten laut EU künftig aber „aktiv mit Unternehmen kommunizieren“. Wer nur die Interessen anderer vertrete, wie Fonds eben, habe keine weiter reichenden Rechte, findet der Kommissionchef.

Die Provokation kommt an. Vertreter institutioneller Investoren fordern genau diese Mitsprache ein. Gerade die „Passivität von Investoren führt oft dazu, dass es Probleme bei den Unternehmen gibt“, sagte Jens Tischendorf, Partner des Finanzinvestors Cevian Capital.

Und für Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Invest, würde das „ganze System aus 'Checks and Balances' nicht funktionieren, wenn sich alle passiv verhielten“. Stimmrechtsberater wie ISS treiben den Streit um die Mitsprache sogar noch weiter, weil sie anhand standardisierter Listen ihre Abstimmungsempfehlungen festlegen.

Corporate-Governance-Experten fürchten, dass Unternehmen deswegen ihr Verhalten darauf ausrichten könnten, ohne zu fragen, ob das im Einzelnen Sinn macht.

Union, die Investmentgesellschaft der Volks-und Raiffeisenbanken begnügt sich damit, ihre Rechte als Aktionär auf den Hauptversammlungen und in Einzelgesprächen mit Vorstand und Aufsichtsrat einzufordern.

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Niedergang der Hauptversammlungskultur

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