"Corporate Health Award"
Zuckerbrot und Peitsche ziehen nicht mehr

Das Handelsblatt prämierte zum zweiten Mal Unternehmen für vorbildliches betriebliches Gesundheitsmanagement. Vor allem der Führungsstil des Vorgesetzten entscheidet darüber, wie leistungsfähig Mitarbeiter sein können.
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DÜSSELDORF/BERLIN. Die Selbstmordwelle beim taiwanesischen Elektronikhersteller Foxconn reißt nicht ab: Anfang November stürzte sich wieder ein Arbeiter von einem Firmengebäude im chinesischen Shenzhen in den Tod - der elfte seit dem Frühjahr. Die Suizide haben weltweit heftige Diskussionen über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen vor Ort und den militärisch anmutenden Managementstil ausgelöst. Denn Foxconn produziert für Konzerne wie Apple, Sony oder Dell. Demonstranten riefen schon zum Boykott des iPhones auf, das bei Foxconn gefertigt wird.

Das Beispiel zeigt: Miserables Gesundheitsmanagement - selbst von Zulieferern im Fernen Osten - kann sich negativ auf das Image von Unternehmen auswirken. Die körperliche und vor allem auch die psychische Leistungsfähigkeit der Beschäftigten wird für Unternehmen immer wichtiger. Im überalternden Westen kommt hinzu: Die Menschen müssen künftig länger arbeiten und länger fit sein.

Das Handelsblatt hat deshalb am Mittwochabend im Berliner Umweltforum zum zweiten Mal Unternehmen für vorbildliches betriebliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. Der "Corporate Health Award" wird mit dem Marktforscher EuPD Research und TÜV Süd Life Service vergeben. Zu den Preisträgern gehören neben Konzernen wie Deutsche Post, Deutsche Telekom und Unilever auch das Bezirksamt Tempelhof/Schöneberg und Rollstuhlhersteller Meyra-Ortopedia.

Tatsache ist: Die gesundheitliche Belastung der Beschäftigten entsteht meist nicht durch die Menge an Arbeit, sondern durch fehlenden Gestaltungsspielraum und Konflikte mit Chefs und Kollegen. "Dass ein Finanzminister seinen Sprecher öffentlich herunterputzt - so ein Verhalten kommt genauso tagtäglich in der Wirtschaft vor", sagt Oliver-Timo Henssler von EuPD Research.

Bernhard Badura, Professor für betriebliches Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld, fordert deshalb eine "Schule der Emotionen" für Vorgesetzte. Denn eine Führungskraft wirkt immer als Vorbild. Und laut EuPD-Studien ist bereits jeder zweite Manager überlastet. Wenn der Chef lange im Büro sitzt, erzeugt das Druck auf seine Mitarbeiter. "Und die seelische Befindlichkeit eines Menschen beeinflusst massiv die Qualität seiner geistigen Arbeit", sagt Badura. "Wer jeden Tag zwölf Stunden arbeitet, kann nicht kreativ sein und macht Fehler. Das ist kein Gewinn für das Unternehmen", sagt Henssler.

Laut EuPD entsteht nur ein Drittel der gesundheitsbedingten Produktivitätsverluste durch Fehlzeiten, zwei Drittel jedoch durch eingeschränkt arbeitsfähige Mitarbeiter am Arbeitsplatz - den so genannten Präsentismus. Kosten, die Experten zufolge in die Milliarden gehen.

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  • Toller Preis der da vergeben wurden, wenn sogar eines der preisgekrönten Unternehmen ein massiv vergiftetes Betriebsklima vorzuweisen hat, wo Heuchelei an der Tagesordnung ist - ich arbeite nämlich bei einem der o.g. "Gewinner".
    Fangt endlich an, die MITARBEITER zu befragen anstatt Euch vom Management mit bunten Powerpoint-Folien die Sinne vernebeln zu lassen !!

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