Corporate Responsibility
Bilanzen und Ethik sind kein Widerspruch

Abteilungsleiter für Nachhaltigkeit, Direktor für Umweltmanagement, Vorstand für Corporate Citizenship: Die Unternehmen rüsten auf. Gesellschaftliche Verantwortung, neudeutsch Corporate Responsibility (CR) oder Corporate Social Responsibility (CSR) genannt, ist als wichtiges Managementthema erkannt und hält Einzug in die Führungsetagen der Unternehmen. Doch bei der Ausbildung führt das Thema unternehmerische Verantwortung noch ein Schattendasein.

DÜSSELDORF. Besetzt werden die neuen Positionen zumeist mit Quereinsteigern oder klassisch ausgebildeten Ökonomen. Expertise müssen sich die CR-Verantwortlichen erst aneignen. Denn in der akademischen Bildung führt das Thema unternehmerische Verantwortung noch ein Schattendasein.

Den aktuellen Ausbildungsstand in den Wirtschaftswissenschaften zu erfassen, das hat sich Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität vorgenommen. In Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Centrum für Corporate Citizenship Deutschland (CCCD) suchte der Wissenschaftler nach CR-Spuren in den Lehrplänen bundesdeutscher Hochschulen. Die Studie förderte Erstaunliches zutage: Knapp die Hälfte der Fachhochschulen und mehr als 60 Prozent der Universitäten mit wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten oder Studiengängen bieten Lehrveranstaltungen zum Thema CR an.

Doch die Schwerpunkte liegen einseitig auf Unternehmensethik oder Umweltmanagement, sagt Schwalbach. „Viele Betriebswirtschafts-Professoren haben das Thema noch gar nicht auf dem Radar." Typisch auch: Im „Wöhe", dem Standard-Lehrwerk ganzer BWL-Studentengenerationen, sucht man das Kapitel Unternehmensverantwortung vergebens.

Schwalbach und sein Team haben die Homepages deutscher Akademikerschmieden abgefragt. Ihre Studie stützt sich damit auf öffentlich verfügbare Informationen. Und schon an dieser Stelle stellt der Berliner Ökonom vielen Hochschulen ein Armutszeugnis aus. Über die Inhalte der einzelnen Lehrangebote sei in der Regel wenig zu erfahren. „Das Studium ist für viele Studenten ein Blindflug", klagt Schwalbach. Dass es auch anders geht, beweisen die Homepages ausländischer Business-Schools. Dort werden die Seminarinhalte detailliert dargestellt.

Weitere Ergebnisse der Berliner Studie:

  • CR-Veranstaltungen sind an deutschen Universitäten vorrangig in die Teildisziplinen Allgemeine BWL und Umweltmanagement bzw. Umweltökonomie eingebettet.
  • Das CR-Lehrangebot an den zehn bzw. zwölf deutschen Top-Hochschulen spiegelt in etwa das Gesamtangebot von CR-Veranstaltungen an Hochschulen in Deutschland wieder. An den Top-Universitäten liegt das CR-Angebot leicht über dem Durchschnitt aller Universitäten, an den Fachhochschulen dagegen leicht unter dem Durchschnitt.
  • Die thematischen Schwerpunkte liegen bei den Top-Universitäten und Fachhochschulen ebenfalls auf Unternehmensethik und Umweltmanagement.
  • CR-Veranstaltungen werden an deutschen Hochschulen sowohl in Bachelor- als auch in Masterstudiengängen angeboten. Spezialisierte CR-Studiengänge spielen eine untergeordnete Rolle.
  • Die ausländischen Top-Universitäten bieten wesentlich mehr CR-Veranstaltungen an. Die thematischen Inhalte sind breiter gestreut.
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