Corporate Songs
„Philips was my first love“

Firmenhymnen sollen bei Mitarbeitern ein Wir-Gefühl mit Gänsehaut erzeugen. Doch manche landen eher durch unfreiwillige Komik einen Hit.

DÜSSELDORF. „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf – uns’re Air Berlin.“ So quäkt eine näselnde Stimme à la Michelle jedem ins Ohr, der in der Warteschleife der Fluggesellschaft landet. Der poppige Motivationssong hat bei den Air-Berlinern Kultstatus. Auf zwei Großveranstaltungen sangen über 2 000 Mitarbeiter die Hymne ein, ursprünglich ein Geschenk vom Flughafen Nürnberg. Im Münchener Radiosender Gong brachte es das Firmenlied gar zum „Hit des Monats“.

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Meist aber dringen Firmenhymnen selten nach außen, richten sie sich doch – anders als Werbesongs – nach innen an die Belegschaft. „Firmenlieder finden sich auffällig oft dort, wo Kundenzufriedenheit oberstes Ziel ist wie bei Discountern, Fluggesellschaften oder Beratungshäusern“, beobachtet Rudi Maier, Experte für Firmenhymnen. Kaufland etwa spornt seine Mitarbeiter mit diesem Refrain an: „Ein Lächeln ist mehr wert als du denkst. Ein Lächeln ist Gold, das du verschenkst.“

Interessant: Die meisten Hymnen, die Maier ausgegraben hat, stammen aus den vergangenen drei bis sechs Jahren. „Firmenhymnen sind ein modernes Phänomen in Zeiten des Umbruchs. Sie entstehen nicht bei Vollbeschäftigung oder Massenarbeitslosigkeit“, sagt Maier. Als singender Kulturwissenschaftler betreibt er mit seiner Heimorgel unterhaltsame Aufklärung in Sachen Firmenlieder.

Die Songs wollen ein Wir-Gefühl erzeugen, auf ein gemeinsames Ziel einschwören und die Belegschaft da emotional packen, wo Motivation durch Gehalt nicht mehr weiterkommt. Ähnlich wie Nationalhymnen sollen Unternehmenshymnen ans Herz gehen – Gänsehaut inklusive. „Die meisten Songs bewegen sich zwischen Schmalzschlager und seichtem Pop“, sagt Maier.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Dennoch: Musik verbindet – und das über Ländergrenzen hinweg. Sie erzeugt synchron dieselben Gefühle bei unterschiedlichen Menschen, sagen Musikpsychologen. Hans-Dieter Huober, Leiter interne Kommunikation von IBM Deutschland: „Jeder Fußballverein oder Kegelclub hat heute seinen Song. Das zeigt einfach, dass es ein Bedürfnis danach gibt. Je rationaler die Arbeitswelt wird, umso größer ist die Sehnsucht der Beschäftigten, auch mal auf der emotionalen Ebene angesprochen zu werden.“

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So nutzen vor allem multinationale Konzerne Hymnen als „Maßnahme zur Personalintegration“, sagt Maier. Beispiel Hypo-Vereinsbank: Um zur Verschmelzung von Hypobank und Vereinsbank vor zehn Jahren eine gemeinsame Identität zu stiften, wurde das Lied mit dem Text „Are You Ready for the Future, are You Ready for the Change“ komponiert. Ein Leitmotiv, das im Hinblick auf die Übernahme durch die italienische Unicredit vor drei Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat.

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