Corporate Volonteering
Firmen spenden Arbeitszeit, Mitarbeiter ihr Herz

ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter. Sie dürfen sich für soziale Zwecke engagieren, das Unternehmen schenkt ihnen Arbeitszeit. Doch noch beklagen Sozialverbände den Mangel an Kontinuität.

DÜSSELDORF Normalerweise rollen auf der Ford-Teststrecke in Köln-Merkenich die Autohoffnungen von übermorgen. Testfahrer prüfen hier Prototypen und Entwicklungsstudien des Automobilherstellers Ford auf Herz und Nieren. Dabei geht es meist laut und rasant zu. Doch an diesem Herbsttag fahren die Autos zögerlicher als sonst über den Parcours. Zum dritten Mal haben Ford-Mitarbeiter mehr als 30 blinde und sehbehinderte Personen zum Testfahren eingeladen.

Besonders bemerkenswert daran: 45 Ford-Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen engagieren sich freiwillig, um den Sehbehinderten das Erlebnis zu ermöglichen. 16 Stunden ihres freiwilligen Engagements bekommen alle Beschäftigten bei Ford vom Arbeitgeber vergütet. „Für Blinde ist so eine Erfahrung sehr wichtig", sagt Norbert Krüger, Manager bei Ford. „Im Alltag sind sie ja nur als Beifahrer unterwegs, spüren zwar die Kräfte beim Autofahren, können aber oft nicht nachvollziehen, woher diese kommen."

Mit dem freiwilligen Engagement der Mitarbeiter setzt der Automobilkonzern auf einen Weg, den immer mehr Unternehmen nutzen um ihre gesellschaftliche Verwantwortung zu dokumentieren. Mitarbeiter dürfen sich für soziale Zwecke engagieren, das Unternehmen schenkt ihnen Arbeitszeit, neudeutsch Corporate Volonteering genannt.

Die Projekte suchen die Beschäftigten sich selbst aus, oder sie beteiligen sich an eigenen Hilfsprogrammen des Unternehmens. Ihre Arbeitgeber stellen sie dafür eine Zeitlang frei oder unterstützen ihr Ehrenamt finanziell.

Nun rückt das betriebliche Freiwilligenengagement zunehmend in den Fokus deutscher Unternehmen. Mehr als 80 Prozent und damit die meisten deutschen Manager kennen die Idee bereits. Dies ergab eine Studie des Beratungsunternehmens Brands & Values. Für die Umfrage äußerten sich 68 Personalmanager aus sieben verschiedenen Branchen zur Bedeutung des betrieblichen Freiwilligenengagements, außerdem wurden bundesweit 685 Beschäftigte und Arbeitssuchende nach ihrer Meinung zum Corporate Volunteering befragt.

Dabei kam Überraschendes zu Tage: In fast zwei Drittel der Unternehmen aus der Studie gibt es bereits derartige Programme. Gerade bei der Talentsuche kann das wichtig sein. So würden sich 60 Prozent der befragten Jobsuchenden bei sonst gleichen Arbeitsbedingungen für ein Unternehmen entscheiden, das sich gesellschaftlich engagiert. Ein Corporate-Volunteering-Programm lohnt sich für das Unternehmen im besten Fall doppelt, nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich.

Norbert Krüger verantwortet bei Ford den Bereich Corporate Citizenship und ist damit auch für das Corporate Volunteering zuständig. Begeistert erzählt er von den Vorzügen eines solchen Programms: „Wir wollen helfen und eine gesellschaftliche Vorreiterrolle spielen, dabei können uns Hilfsorganisationen helfen." Andererseits bräuchten die Hilfsorganisationen, etwa die Caritas mit der Ford das Fahrtraining organisiert, mehr Öffentlichkeit. Die könne Ford bieten. Und für die Mitarbeiter sei es eine neue Erfahrung, die den Zusammenhalt stärke. Das Freiwilligenengagement kenne nur Gewinner, sagt Krüger: das Unternehmen, die Hilfsorganisation und die Mitarbeiter. Krüger macht keinen Hehl daraus, dass Corporate Volonteering ein wichtiger Imagebaustein für das Unternehmen ist.

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