Corrado Passera
Ein Taktierer in Erklärungsnöten

Bisher wurden Italiens Großbanken von der Finanzkrise weitgehend verschont. Unter der Führung von Corrado Passera hat die Großbank Intesa Sanpaolo allerdings massiv in Osteuropa investiert und dabei viel Geld verloren. Nun muss der ungeliebte Chef seine enttäuschten Aktionäre bei Laune halten.

MAILAND. Corrado Passera kann sich verkaufen: Ob als Sanierer der Post, als Aufräumer der Banken oder als Retter der angeschlagenen Alitalia. Der ehemalige Chef der Poste Italiane und heutige Vorstandsvorsitzende der Großbank Intesa Sanpaolo ist bisher aus jeder Krise mit erhobenem Haupt herausgekommen. „Er ist perfekt im Selbst-Marketing“, sagt ein Wegbegleiter. Auch die Finanzkrise schien lange an dem schlaksigen Ex-McKinsey-Berater abzuprallen, während sein Widersacher, Unicredit-Chef Alessandro Profumo schon um seinen Posten bangen musste. Doch nun hat die Krise auch Passera erreicht. Ende März legt das Mailänder Institut Zahlen vor, und er muss den Aktionären erklären, warum sie an ihn und die Bank glauben sollen, die er vor zwei Jahren aus Sanpaolo Imi und Banca Intesa geschmiedet hat.

Das Institut steht zwar immer noch besser dar als viele ausländische Banken, aber das ist in Italien nicht ungewöhnlich. Bislang musste noch keine einzige Bank gerettet werden, und die Großbanken schreiben Milliarden-Gewinne – noch. Inzwischen bekommt auch Passera die Folgen des weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu spüren.

Unter seiner Führung hat die Bank – genauso wie Konkurrent Unicredit – in Osteuropa expandiert, eine Region, die die Krise besonders hart getroffen hat und damit auch jene fast 2 000 Filialen, die Intesa Sanpaolo heute in 13 osteuropäischen und Mittelmeer-Ländern betreibt. Und auch auf dem Heimatmarkt trüben sich die Aussichten mit der Rezession ein.

Bisher hat sich Passera in der Heimat vor allem durch geschicktes Taktieren die Mächtigen des Landes zu Freunden gemacht. Als Romano Prodi gute Chancen auf die Regierung hatte, ließ sich der Manager mit dem weichen Händedruck in der Schlange bei den Vorwahlen des Mitte-Links-Bündnisses blicken. Heute gilt er als Berlusconi-nah. Nicht umsonst durfte Intesa Sanpaolo für die Regierung den Verkauf der maroden, halbstaatlichen Alitalia an ein Konsortium von privaten Investoren begleiten und hat sich selbst mit knapp zwölf Prozent beteiligt.

Auch an Telecom Italia hat sich Passera beteiligt. Seine Bank hält 10,6 Prozent an der Kontrollholding Telco. Doch vergangene Woche musste Telco 1,4 Mrd. Euro auf ihre Beteiligung abschreiben, rund 140 Mio. treffen Intesa. Politische Machtspielchen indes können Passera bei den Aktionären nicht helfen, in der weltweiten Krise sind italienische Beziehungen nicht alles.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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