Credit Suisse
Lenny Fischer tritt ab

Die Schweizer Großbank Credit Suisse verliert erneut einen Top-Banker. Leonhard, genannt „Lenny“, Fischer wechselt in die Private-Equity-Branche. Die Personalie um den Banker sorgte am Donnerstag in Frankfurt, Zürich und London, wo Fischer in den vergangenen Wochen seinen Arbeitsplatz hatte, für ganz unterschiedliche Reaktionen.

LONDON / ZÜRICH. Die Schweizer Großbank Credit Suisse verliert nach einigen Abgängen unter ihren Vermögensverwaltern erneut einen ihrer Topbanker: Leonhard, genannt „Lenny“, Fischer, bis zum Verkauf der Credit-Suisse-Versicherungstochter Winterthur deren Chef und erst seit wenigen Wochen Leiter des Bereichs Europa, Mittlerer Osten und Afrika mit Sitz in London nimmt seinen Hut. Er will künftig an der Seite des US-Financiers Timothy Collins, mit dem er gut befreundet ist, den in Belgien notierten Finanzinvestor RHJ International leiten.

Die Personalie um den Banker sorgte am Donnerstag in Frankfurt, Zürich und London, wo Fischer in den vergangenen Wochen seinen Arbeitsplatz hatte, für unterschiedliche Reaktionen. In Frankfurt ist Fischer als ehemaliger Chef der Investment-Abteilung der Dresdner Bank kein Unbekannter. Der ehemalige Allianz-Chef Henning Schulte-Noellen entließ ihn, als die Börsen einbrachen und die Fusionen ausblieben. Zu Credit Suisse war Fischer gekommen, um die Winterthur zu sanieren. Es gelang ihm der Verkauf des Versicherers an die französische Axa Ende vergangenen Jahres. In der Schweiz war mit dem Abgang Fischers gerechnet worden, seit feststand, dass der Amerikaner Brady Dougan den abtretenden Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel beerben wird. Fischer hatte als Anwärter für diesen Posten gegolten. Grübel hatte kurz nach Fischers Entscheidung für den Posten in London – für viele überraschend – seinen Rücktritt zum Mai erklärt und durch Dougans Benennung allen Spekulationen um seine Nachfolge ein Ende gemacht. Dass Dougan und Fischer, die auch innerhalb des Konzerns nie als enge Freunde gegolten hatten, nun getrennte Wege gehen, halten Beobachter „für konsequent“.

Dass Fischer ausgerechnet zu RHJ International wechselt, wird in London jedoch als Überraschung gewertet. Der Finanzinvestor ist zwar börsennotiert, Großaktionär ist aber Collins selbst, der neben seiner Aufgabe bei RHJ International vor allem den Private-Equity-Konzern Riplewood führt. Der spielt nach Meinung Londoner Banker im Private-Equity-Geschäft eine Liga unter den ganz Großen wie KKR, Blackstone oder Permira.

Die Qualität der Beteiligungen ist allerdings nicht schlecht: So hat Ripplewood im Jahr 2000 die schwer angeschlagene japanische Shinsai Bank übernommen und im Eiltempo saniert. Als Ripplewood die Bank 2004 an die Börse brachte, kassierte der Fonds für 30 Prozent der Anteile rund zwei Mrd. Euro. Ripplewood hat daneben in diesem Jahr für 2,4 Mrd. Dollar den US-Verlag Reader’s Digest gekauft. Der Finanzinvestor und sein börsennotierter Ableger RHJ International sind neben diesen Beteiligungen vor allem in Autozulieferer in Japan und den USA investiert. In dieser Branche könnten sie demnächst eine weitere herausgehobene Rolle spielen: Sie werden als Partner des kanadischen Autozulieferer-Konzerns Magna genannt, wenn der einen Teil des angeschlagenen Autokonzerns Chrysler übernimmt.

Fischer selbst lässt sich auf solche Gedankenspiele nicht ein: „Die Rolle als Co-Chef gemeinsam mit Tim“ sei eine Herausforderung für ihn, teilt er mit. Und Collins bedenkt ihn mit Vorschusslorbeeren, wenn er sagt: „Leonhard ist ein herausragendes Talent.“

Wechselvolle Karriere

Auf und ...
Der gebürtige Emsländer Leonhard Fischer, der in Bielefeld aufgewachsen ist und dort mit dem heutigen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann eine Schülerzeitung herausgab, war in Deutschland eine Art Popikone der New Economy. Mit 36 Jahren rückte er in den Vorstand der Dresdner Bank ein. Vier Jahre später wechselte er zur Credit Suisse.

... Ab
Bei der Dresdner Bank musste Fischer gehen, als die Allianz die Bank übernahm. Bei der Credit Suisse gelang zuletzt der Sprung an die Spitze nicht.

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