Cromme gibt Vorsitz der Corporate Governance Kommission ab
Moralinstanz Müller

Der frühere Top-Manager Gerhard Cromme legt den Vorsitz der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) Ende Juni nieder. Auch einen Nachfolger gibt es schon: Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank und Präsident des Bankenverbandes BdB.

HB BERLIN. Der 65-Jährige Cromme begründete seinen Rücktritt nach knapp sieben Jahren mit der großen Belastung durch seinen Chefposten im Aufsichtsrat von Siemens, wo er maßgeblich daran beteiligt ist, die Krise des Münchener Konzerns in Verbindung mit Korruptionsvorwürfen zu lösen. Cromme ist zudem Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp und sitzt in den Kontrollgremien der Allianz, des Verlags Axel Springer sowie des französischen Baustoffkonzerns Saint-Gobain.

Die Ausarbeitung eines freiwilligen Verhaltenskodex für gute Unternehmensführung und -kontrolle verbindet sich mit Crommes Namen. Ministerin Zypries hatten ihn zum Vorsitzenden der Regierungskommission ernannt, die sie im Herbst 2001 eingesetzt hatte. Aufgabe der Kommission, die als „Cromme-Kommission“ bekannt wurde, war es, einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Wirtschaft zu erarbeiten, der für mehr Transparenz, Offenheit und eine wirksamere Kontrolle in Unternehmen sorgt. Damit sollte das Vertrauen in eine solide Unternehmensführung deutscher Aktienfirmen und damit der hiesige Finanzplatz gestärkt werden.

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) nannte Cromme einen großen Glücksfall. Er sei Antreiber notwendiger Veränderungen wie auch Sachwalter bewährter Vorzüge gewesen. Der Kodex habe sich als Regelwerk für gute Unternehmensführung etabliert, das von den börsennotierten Gesellschaften in Deutschland mit hoher Akzeptanz praktiziert und auch international anerkannt werde. Die Kommission sei ein „ausgesprochen erfolgreiches Modell“ der Selbstregulierung der Wirtschaft.

Ende Februar 2002 verabschiedete die Kommission einen Kodex, der nach mehreren Aktualisierungen inzwischen aus rund 80 Empfehlungen und 23 Anregungen besteht. Das Regelwerk erfreut sich bei der überwiegenden Mehrheit der deutschen Kapitalgesellschaften einer hohen Zustimmung - wenn auch nicht in allen Punkten. Er nimmt Kritikpunkte an der deutschen Praxis der Unternehmensführung auf und versucht sie auszuräumen. Es geht der Kommmission um die Wahrung von Aktionärsinteressen, um mehr Durchschaubarkeit der Unternehmensführung, die Stärkung des Aufsichtsrates und seiner Unabhängigkeit und vieles mehr.

Aus Altersgründen scheiden der ehemalige Chef des Aufsichtsrates der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, und der emeritierte Wirtschaftsjurist Marcus Lutter aus der Kommission aus. Für Breuer kommt Müller. Lutters Sitz in der Kommission übernimmt demnach die Frankfurter Rechtsanwältin Daniela Weber-Ray von der Sozietät Clifford Chance.

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