Cromme-Kommission
Neue Regeln für Vorstandsverträge

Immer häufiger werden goldene Fallschirme für gefeuerte Manager geknüpft. Diese Praxis stößt bei Vergütungsexperten auf wachsende Kritik. Die Regierungskommission Corporate Governance könnte daran etwas ändern. Denn die von dem Gremium diskutierten Regeln über Vertragslänge und Abfindungen für Vorstände könnte schon im Juni beschlossen werden.

fo BERLIN. Entsprechende Empfehlungen, Anregungen oder auch so genannte Verdeutlichungen könnten auf der diesjährigen Plenarsitzung der Kommission beschlossen werden, sagte Thomas Kremer, Leiter der Geschäftsstelle der Kommission am Mittwoch in Berlin. So stünden kürzere Vertragslaufzeiten statt der hierzulande üblichen fünf Jahre zur Debatte.

Die Sitzung ist für den 14. Juni, die Jahrestagung der Kommission Anfang Juli terminiert. Kommissionschef Gerhard Cromme ist zur Zeit vor allem mit den Aufräumarbeiten bei Siemens beschäftigt, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er ist.

Ob es zu neuen Regeln komme, sei aber völlig offen, betonte Kremer. Nach seinen Angaben könnten Hinweise in den Kodex aufgenommen werden, dass beispielsweise die im Aktiengesetz festgelegte „Gesamtverantwortung“ eine Vorstands und das damit verbundene Einstimmigkeits-Prinzip auch durch ein Mehrheitsprinzip bei Ressortverantwortung ersetzt werden könne. Dies lasse das Aktienrecht zu.

Auch die Bestelldauer von Vorständen, die im Ausland manchmal nur ein Jahr beträgt, international eher zwischen zwei und drei Jahren liegt, könnte zu einer Regelung im Governance-Kodes führen. Damit verbunden wären Empfehlungen zur Deckelung von Abfindungen. Cromme selbst hatte sich vor einiger Zeit gegen eine Begrenzung von Vertragslaufzeiten, aber für einen Deckelung von Abfindungen auf maximal zwei Jahresgehälter ausgesprochen. Üblicherweise werden nicht nur die Verträge ausbezahlt falls ein Manager vorzeitig gehen muss. Immer häufiger werden auch goldene Fallschirme für gefeuerte Manager geknüpft, etwa im Falle eines Eigentümer-Wechsels (Change- of Control-Klauseln). Diese Praxis stößt bei Vergütungsexperten auf wachsende Kritik weil mit den gestiegenen Vorstandsbezügen solche Risiken hinreichend abgedeckt seien.

Vorgestellt wurde in Berlin zudem die jährliche Studie zur Akzeptanz des Corporate-Governance-Kodex. Diese Studie wird von dem Wissenschaftler Axel von Werder erstellt. Laut der jüngsten Studie werden die 81 Empfehlungen und 20 Anregungen des Kodex inzwischen zu fast 83 Prozent akzeptiert. Bei Dax-Firmen liegt die Akzeptanz inzwischen bei fast 96 Prozent. Wegen des hohen Niveaus sei die Quote kaum noch steigerungsfähig, sagte von Werder, der auch Mitglied der Kommission ist.

Nach seiner Einschätzung stimmt die formale Zustimmung auch mit der konkreten Umsetzung durch die Unternehmen weitgehend überein. „Ich habe keinen Anlass an den entsprechenden Erklärungen der Gesellschaften zu zweifeln. Das im Einzelnen zu überprüfen sei allerdings auch schwierig.

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