Cuno führte als Reeder die Hapag zu neuer Größe
Wilhelm Cuno: Reeder, Reichskanzler und Ruhrkämpfer

Wilhelm Cunos Karriere pendelte zwischen Privatwirtschaft und Politik. Er verhalf der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag, zum Erfolg und führte Deutschland in turbulenter Zeit.

Es nutzt nichts, meine Damen und Herren, harte und starke Worte zu sprechen und morgen zu klagen, dass Opfer und Bürde zu schwer seien.“ Der das vor dem Parlament der Weimarer Republik im Reichstag zu Berlin ausrief, war Unternehmer: der erfolgreiche Reeder Wilhelm Cuno. Doch jetzt, am 13. Januar 1923, sprach er als deutscher Reichskanzler. Das Ereignis, auf das er sich bezog, war die Besetzung des Ruhrreviers durch belgische und französische Truppen. Cuno forderte den passiven Widerstand der Bevölkerung.

Zur Zeit der Weimarer Republik war Cuno nicht der einzige erfolgreiche Unternehmer, den es in die Politik zog. Es drängte sie, in der turbulenten Zeit auf die politischen Rahmenbedingungen einzuwirken. Bekannt wurden vor allem AEG-Aufsichtsratschef Walther Rathenau und der Verleger Alfred Hugenberg. Rathenau trug als Außenminister dazu bei, das junge parlamentarische System zu stabilisieren und Deutschland wieder in die Völkergemeinschaft einzugliedern. Hugenberg tat als Chef der Deutschnationalen Volkspartei alles, um die Republik hinwegzufegen und an ihre Stelle einen autoritären Staat zu setzen.

Cunos Karriere pendelte zwischen Privatwirtschaft und Politik. Aus gutbürgerlicher Familie stammend – sein Vater war Geheimer Rechnungsrat –, studierte er Rechtswissenschaften und promovierte. Danach trat er als Assessor in das Reichsschatzamt ein.

Cuno machte schnell Karriere. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, übertrug man ihm die Leitung der Reichsgetreidestelle. Darüber hinaus betrieb er – immer ein Mann des Organisierens – den Aufbau eines Amtes, das die Ernährung der Bevölkerung im Krieg sicherstellen sollte, das spätere Kriegsernährungsamt. 1916 übernahm er die Leitung des Generalreferats für kriegswirtschaftliche Fragen im Reichsschatzamt – sein Weg als einer der höchsten Beamten des Reiches schien gesichert.

Doch 1917, mitten im Krieg, schied er aus dem Staatsdienst aus und trat in das Direktorium der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag, ein. Man kann darüber spekulieren, warum Cuno in die freie Wirtschaft wechselte. Fest steht: Immer stärker zeichnete sich die Niederlage Deutschlands im Krieg ab. Das Regierungslager war zerstritten, und in der freien Wirtschaft lockten Geld und Karriere. Vor Ausbruch des Krieges war Hapag die größte Reederei der Welt gewesen, das Werk des Reeders Albert Ballin.

Schon bald sollte Cuno Ballin beerben. Denn als dieser zu Ende des Krieges, als die gesamte Flotte der Hapag verloren war, sich vor den Trümmern seines Lebenswerks sah, nahm er sich das Leben. Cuno wurde Generaldirektor der Reederei und damit sein Nachfolger. 1920 konnte Cuno seiner Reederei eine Führungsposition in der weltweiten Handelsschifffahrt sichern: Er schloss mit der US-Reederei United American Lines den Hapag-Harriman-Vertrag über eine Kooperation auf der Nordamerika-Route ab.

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