Curanum: Tumult im Altenheim

Curanum
Tumult im Altenheim

Der Rauswurf des Chefs des Pflegeheimbetreibers Curanum kam für Außenstehende völlig überraschend. Jetzt zeigt sich: Hinter den Kulissen gab es heftige Auseinandersetzungen, selbst die Aktionäre des Unternehmens sind völlig zerstritten.
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MÜNCHEN. Das Leben als Vorstand steckt voller Überraschungen. Für Bernd Rothe, den Chef des Münchener Altersheimbetreibers Curanum, begann die vergangene Woche wie jede andere. Er arbeitete Projekte ab, führte Gespräche mit Bankern. Vertrauten erzählte Rothe, er erwarte die Verlängerung seines 2011 auslaufenden Vertrags. Dann traf es ihn wie ein Genickschlag: Rothe hörte, sein Job werde auch anderen angeboten. Tagelang konnte er keine Klarheit gewinnen. Dann konfrontierte Rothe seinen Aufsichtsrat. Danach blieben ihm nur noch Stunden. Die Aufseher sahen ihren Geheimplan aufgedeckt, am Freitag wurde in aller Eile eine Sitzung einberufen. Per Telefon bestimmten die Aufsichtsräte Rothes sofortige Absetzung.

Die Stimmen, die den Paukenschlag begleiten, zeugen von einem tiefen Riss. „Ich habe in 30 Jahren Geschäftserfahrung noch nie einen Vorstand erlebt, der sich so vehement gegen Vorschläge seines Aufsichtrat gesperrt hat wie Herr Rothe“, sagt ein Aufseher. Auch Michael Treichl, Aufsichtsrat und mit 12,8 Prozent drittgrößter Anteilseigner ist verärgert. „Der Markt wächst und Curanum müsste als großer und gut positionierter Spieler stärker wachsen als der Markt“, sagt der Manager des Finanzinvestors Audley Capital. „Statt dessen wachsen wir langsamer. Herr Rothe hat mein Vertrauen verloren.“

Doch Rothe dreht den Spieß um. „Das Problem an dem Aufsichtsrat von Curanum ist, dass keiner der Herren sich in unserer Branche auskennt“, sagt der entlassene Vorstandschef. Curanum sei ein Premiumanbieter. Der Aufsichtsrat habe vorgeschlagen, parallel eine Billigmarke aufzubauen. Das sei aber sehr schwierig und könne das Image von Curanum stark beschädigen. Rothe räumte ein, die Geschäftszahlen seien enttäuschend – in den ersten sechs Monaten 2010 fiel der Nettogewinn auf Null. Doch der ganze Markt sei unter Druck, weil zuletzt viele Anbieter neu dazugekommen seien. „Doch mit solchen Details kann man dem Aufsichtsrat ja nicht kommen“, sagt Rothe. „Der starrt nur auf den Aktienkurs.“

Die Curanum-Aktie hat seit Jahresanfang rund 30 Prozent verloren, liegt aktuell bei 2,20 Euro. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 260 Mio. Euro und 6 000 Mitarbeiter ist an der Börse ganze 75 Mio. Euro wert. Daran allerdings, sagen Insider, ist der Vorstandschef nur zum Teil schuld. Sie bezeichnen das Umfeld für die Aktie als geradezu toxisch.

Das Malheur beginnt beim größten Aktionär, der Norddeutschen Landesbank. Deren Stimmrechtsmitteilung vom 11. März 2008, gehört zu den absoluten Kuriositäten der Börsenhistorie. Wie die Landesbank mit monatelanger Verspätung mitteilte, hatte sie mehrfach Aktien von Curanum gekauft und verkauft und hielt schließlich 4,3 Mio. Stück. Allerdings behauptete die Bank, sie habe die Aktien nur für einen Kunden geordert – den Finanzinvestor Vatas. Der Streit ging vor Gericht, Vatas ging pleite. Die Landesbank hält aktuell 13,1 Prozent an Curanum. Ihr Kaufkurs: rund neun Euro. Ihr Buchverlust: rund 30 Mio. Euro.

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