Dagmar Kollmann
Neue Kontrolleurin für die Telekom

Frauen im Aufsichtsrat hat die Telekom bereits auf Arbeitnehmerseite. Nun greift die Quote auch im Kapitallager. In Zukunft kontrolliert Dagmar Kollmann, Ex-Deutschland-Chefin von Morgan Stanley, den Bonner Konzern.
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DüsseldorfEs war ihr wohl zu ruhig geworden. Zu ruhig jedenfalls für eine frühere Spitzenbankerin, die lange mit dem Etikett „Powerfrau“ gelebt hat. Dabei hat sie in den vergangenen vier Jahren viele Jobs gemanagt, pendelte zwischen Bonn (Mitglied der Monopolkommission), Wien (Familienbetrieb, Aufsichtsrat der Bank Gutmann), Stuttgart (Beirat der L-Bank) und München (Vize-Aufsichtsratschefin der Hypo Real Estate Holding und der Deutschen Pfandbriefbank).

Jetzt fand sich wohl noch eine Lücke im Terminplan. Dagmar Kollmann, bis 2008 Deutschland-Chefin von Morgan Stanley, soll in den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom ziehen. So steht es in der Einladung zur Hauptversammlung am 24. Mai. Sie würde auf Ulrich Hocker folgen, den Präsidenten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Der hätte die Telekom gern weiter kontrolliert, muss nun aber wohl aufgrund der Frauenquote weichen, die sich der Konzern verordnet hat. Nun will der die erste Frau auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats sehen.

Kollmann aber darauf zu reduzieren wird ihr nicht gerecht. „Es zählt allein ihre Qualifikation und ihre Führungspersönlichkeit“, heißt es auch im Bonner Konzern. Davon hat die 47-Jährige eine Menge vorzuweisen. Nach sechs Jahren bei der Schweizer Großbank UBS in London wechselte sie 1994 zum Investmenthaus Morgan Stanley und stieg schließlich zur Chefin der Deutschlandtochter auf.

Das „Wall Street Journal“ hob sie 2006 auf die Liste der „Ten women to watch in Europe“. Die Frankfurter Finanzcommunity war entzückt von der Wienerin, zumal ihr Mann Peter nach wie vor zur Führungsriege des Konkurrenten Bank of America Merrill Lynch in der Mainmetropole gehört. Parallelen wurden gezogen zu anderen Powerpaaren der deutschen Wirtschaft wie den Achleitners und den Blessings.

Doch Anfang 2008 warf Kollmann überraschend hin. Von zu viel Widerstand im Investmenthaus war die Rede, von extremer Arbeitsbelastung und Frust. Sie zog sich aus dem operativen Geschäft zurück und konzentriert sich auf Kontroll- und Beratungsmandate. Mit der Telekom steigt sie nun in die Liga der Dax-Konzerne auf. Wenn es nach ihrem Ehrgeiz geht, ist das nur der Anfang.

Kommentare zu " Dagmar Kollmann: Neue Kontrolleurin für die Telekom"

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  • Richtig, es gibt eigentlich nichts, was Frauen nicht besser machen als die Männer. Das ist genau der Grund warum ich als Mann gegen eine Quote bin. Ich kann einfach nicht mit der Geistesleistung von Frauen mithalten. Ich komme mir zwischen Frauen immer so dumm und ungerecht vor. Danke, dass Sie das mal klargestellt haben.

  • Zum Glück ist es diesmal nur der Aufsichtsrat, da kann man nicht ganz so viel Schaden anrichten.

    Im letzten Sommer hat Obermann bekanntlich zwei Frauen (Claudia Nemat und Marion Schick) in den Telekom-Vorstand berufen. Frauen in den Vorständen sind laut aktuell gültiger politischer Doktrin ja die Hauptursache des Erfolgs der jeweiligen Unternehmen, und mehr Frauen machen die Unternehmen profitabler, menschlicher, einfach besser... (Gründe s. Kommentar von "Leserin").

    Wenn die Logik von Frau v.d.Leyen, Reding & Co. stimmt, dann hat die Berufung der beiden Telekom-Damen mehrere Mrd. Euro gekostet, pro Dame wohlgemerkt.

    Verkündet wurden die Berufungen im letzten Sommer, wirksam vermutlich erst mehrere Monate später. Nimmt man das durchschnittliche Kursniveau im Zeitraum November / Dezember 2011 als Basis, dann weist die Telekom seitdem einem Verlust von ca. 7 - 10 % auf (von ca. 9.2 auf 8.5 gefallen), während der DAX als Vergleichsindex gut 10 % gestiegen ist (von ca. 5800 auf 6500). Wenn man den Referenzeitpunkt etwas früher oder später setzt, kommt auf ähnliche Zahlen.

    M.a.W. hat die Berufung der beide Damen den Aktionären ca. 20% Kursverlust beschert, macht bei einer Marktkapitalisierung in der Gegend von 40 Mrd.Euro rund 3 Mrd. Kosten, pro weibliche Berufung natürlich.

    Was im übrigen nicht überrascht, man kennt es von Norwegen, wo 2003 per Gesetz eine Frauenquote von 40% gewaltsam bei allen börsennotierten Unternehmen eingeführt wurde und die Kurse der betroffenen Unternehmen mehrere Jahre lang signifikant litten. Die Underperformance ist von diversen wissenschaftlichen Forschergruppen sehr genau analysiert worden, z.B. Matsa und Miller: A Female Style in Corporate Leadership? Evidence from Quotas, http://ssrn.com/abstract=1636047. Diese Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Frauenquote und der Verschlechterung der Unternehmensperformance.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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