Daimler
Bewährungsprobe für den Wackelkandidaten

Daimlers Lkw-Chef Andreas Renschler kämpft gegen einen massiven Nachfrageeinbruch - und um die Verlängerung seines Vertrags.

STUTTGART. Andreas Renschler kann seine Anspannung kaum verbergen: Ungeduldig wippt er mit den Füßen, als ihm die Frage gestellt wird, ob die akute Krise in der Lkw-Branche die schwierigste Situation in seiner Karriere sei. "Es ist eine sehr spannende Aufgabe. Sie macht mir Spaß", antwortet der Chef des weltgrößten Nutzfahrzeugherstellers Daimler ausweichend. Kein Zweifel - der 50-Jährige steht unter Druck. Er muss den seit Jahren brutalsten Nachfrageeinbruch in seiner Branche just in dem Jahr verkraften, in dem sich die Verlängerung seines Vertrags entscheidet. In Europa werden 2009 nach seiner Einschätzung nur noch halb so viele Lastwagen verkauft wie im Vorjahr. In den USA und in Japan soll der Markt noch einmal um 30 und 40 Prozent schrumpfen.

Der Wirtschaftsingenieur wirkte zuletzt eher in der zweiten Reihe. Die Lkw-Sparte, die er 2004 im Boom übernommen hatte, sorgte regelmäßig für gute Nachrichten. Das Augenmerk im Konzern lag auf den massiven Problemen der Pkw-Sparte und der Trennung von Chrysler. Jetzt rückt Renschler in den Fokus.

Meriten für den schnellen Aufstieg hatte er sich beim schwierigen Aufbau des ersten US-Werks von Daimler in Tuscaloosa in den 90er-Jahren verdient. Damals genoss der schwäbische Bauernsohn im Konzern den Ruf, man könne ihn auch über der Wüste mit einem Fallschirm abwerfen und müsste sich keine Sorgen machen. So vertraute ihm Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp 1999 die dümpelnde Kleinwagensparte Smart an. Aber auch Renschler bewirkte keine Wunder. Im Gegenteil: Die Ausweitung des Smart-Programms auf einen Viersitzer und einen kleinen Sportwagen sorgte für Milliardenverluste. Renschler bekam 2004 gerade noch rechtzeitig die Kurve zu den Brummis, ehe Schrempp-Nachfolger Zetsche das Smart-Programm bis auf den Zweisitzer wieder zusammenstampfte. Wegen der missglückten Smart-Sanierung wurde der Ex-Shootingstar immer wieder als Wackelkandidat im Vorstand gehandelt.

Diesmal will er es besser machen. Schon vor zwei Jahren hat er die zyklische Trucksparte mit seinem "Global Excellence"-Programm so aufgestellt, dass sie selbst bei einem Auftragseinbruch von 30 Prozent noch Gewinn macht. "Ich möchte mir nicht vorstellen, wo wir ohne dieses Programm heute wären", sagt er.

Der groß gewachsene Manager zeigt sich derzeit als Kämpfer - zumindest verbal. "Wir sind gewappnet und werden gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagt er. Über eine Mrd. Euro will er an Kosten einsparen. "Sollte das nicht reichen, werden die Stellschrauben stärker angezogen", sagt er. In Asien und den USA müssen die Beschäftigten ab dem 1. April auf zehn Prozent ihres Einkommens verzichten. Gleichzeitig hat er dort die Belegschaft schon kräftig zusammengestrichen. In Deutschland ist für die 18 000 Beschäftigten ab April Kurzarbeit beantragt. "Von den zehn größten Herstellern werden nicht alle das Ende der Krise überleben", orakelt Renschler. Niemand sei "too big to fail".

Besteht Renschler diese Feuerprobe, dann wäre das ein Comeback, das ihm nach Smart nur wenige zugetraut hätten. "Wer sich breit aufstellt, steht bei Gegenwind stabiler", sagt Renschler über Daimlers Brummisparte. Das gilt wohl auch für ihn.

Daimler ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent vor Volvo Renault Weltmarktführer. Im vergangenen Jahr hat Daimler die Verkäufe von Lkw und Bussen im Jahresvergleich noch um ein Prozent auf 472 100Fahrzeuge steigern können. Der Umsatz stagnierte bei 29 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis gab um eine halbe Mrd. Euro auf 1,6 Mrd. Euro nach.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%