Daimler-Chrysler
Dieter Zetsche – Knallharter Sympathieträger

Dieter Zetsche muss bei seiner ersten Bilanzpräsentation als neuer Daimler-Chrysler-Chef gleich schlechte Neuigkeiten verkünden: Mercedes schreibt rote Zahlen. Der Topmanager lässt keine Zweifel an der Notwendigkeit tiefer Sanierungsschnitte.

HB SINDELFINGEN. Dieter Zetsche ist in seinem Element. Als er den weiträumigen Saal des Mercedes-Event-Centers im Werk Sindelfingen zur Jahrespressekonferenz betritt, bricht ein Blitzlichtgewitter aus. Der neue Daimler-Vorstandschef, der am 1. Januar das Amt von Jürgen Schrempp übernahm, bahnt sich schnellen Schritts den Weg durch die Menschentraube. Der Mann mit den wachen Augen und dem dicken Seehundschnauzer liebt große Auftritte. Locker steht er auf dem Podium und stellt sich geduldig den Fotografen und Kameras. „Ich freue mich, heute hier zu sein“, ruft er den Journalisten im hohen Kuppelrund des fensterlosen Zweckbaus bei seinem ersten großen Auftritt als Konzern- und Mercedes-Chef zu.

Der freundliche, schlaksige Top-Manager im dezenten grauen Einteiler weiß aber, dass noch gewaltige Aufgaben vor ihm liegen. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 sprechen eine klare Sprache: Die Vorzeigemarke Mercedes hat ihren Nimbus als Ausnahmeunternehmen mit Erfolgsgarantie verloren, die Kleinstwagenmarke Smart produziert weiter munter Verluste. Das sind Probleme, die schnell gelöst werden müssen. Denn die Wahrheit ist bitterer, als die Bilanz es zeigt: Mercedes schreibt bereits wieder operativ schwarze Zahlen, doch die hohen Aufwendungen für Smart hängen wie ein Mühlstein an der Sparte. Neben dem Problemen im Konzern belasten die Stuttgarter zudem Anlegerklagen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Verstoß gegen Insiderregeln im Zusammenhang mit dem Führungswechsel. In einem Musterverfahren vor dem Landgericht Stuttgart soll nun geklärt werden, ob der Konzern Ex-Aktionären Schadensersatz zahlen muss. Verliert Daimler, droht Regress in Millionenhöhe.

Auch in Stuttgart ist Zetsche, der zuvor die US-Sparte Chrysler sanierte, als Aufräumer gefragt. Der neue Konzernlenker fackelte denn auch nicht lange: Noch nicht einmal einen Monat im Amt, verkündete er für Mercedes bereits harte Sanierungsschnitte und den Abbau von insgesamt 8 500 Stellen. Im Januar folgte dann der nächste Paukenschlag: Jeder fünfte Mitarbeiter in der Verwaltung und jeder dritte Manager verliert seinen Job. Und der Top-Manager geht noch einen Schritt weiter. Die offizielle Verlegung der Konzernzentrale aus dem Vorort Stuttgart-Möhringen in das wenige Kilometer entfernte Mercedes-Motorenwerk Stuttgart-Untertürkheim ist für Daimler-Chrysler fast eine Art Kulturschock.

Doch „irgendwie ist Sparen unter Zetsche etwas anderes“, stellte das „Manager-Magazin“ bewundernd fest. Im Handumdrehen nimmt er andere für sich ein, selbst Mitarbeitern, denen er den Job wegrationalisiert. Zetsche geht auf die Leute zu, gibt sich zugänglich, bisweilen sogar selbstironisch. Das kommt an. Einen Tag nach der Ankündigung des massiven Stellenabbaus in Verwaltung und Management stellte er sich den Mitarbeitern in der Konzernzentrale Stuttgart-Möhringen auf einer Betriebsversammlung – und erntet am Ende sogar Applaus. Seinem Vorgänger Schrempp wäre eine solche Geste nie eingefallen.

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