Daimler
Der Luxus-Shopper des Scheichs

Khadem Al Qubaisi ist kein Mann der lauten Töne. Bislang hat der Chef des neuen Daimler-Großaktionärs aus dem Emirat Abu-Dhabi vor allem im Energie-Sektor investiert. Nun erhofft sich Al Qubaisi von der Beteiligung an dem deutschen Autokonzern auch einen langfristigen Know-How-Transfer.

DUBAI/STUTTGART. Es ist keine der üblichen Pressekonferenzen in der Untertürkheimer Daimler-Zentrale. Die beiden ersten Sitzreihen sind reserviert. Wie bei einem Check-in-Schalter am Flughafen sorgen schwarze Absperrbänder für fünf Meter Sicherheitsabstand zum Podium. Der ganze Aufwand gebührt einem klein gewachsenen Mann im eleganten dunkelblauen Anzug. Ruhig und in perfektem Englisch entwirft Khadem Al Qubaisi seine Ideen und stellt sich den Fragen. "Langfristig heißt langfristig", meint der Chef des neuen Daimler-Großaktionärs aus dem ölreichen Emirat Abu Dhabi und lächelt. "Ob 50 oder 100 Jahre kann ich nicht sagen: Solange es Abu Dhabi gibt, jedenfalls." Er grinst. Auch einen Sitz im Aufsichtsrat könne er sich vorstellen, aber nicht sofort. Er wolle aber mehr Einfluss nehmen als Kuwait, fügt Al Qubaisi hinzu. Er liebe eben die Qualität der Stuttgarter Autos, sagt der Mittdreißiger, der selbst mehrere Mercedes besitzt, darunter einen über 600 PS schweren Sportwagen SLR McLaren Mercedes.

Al Qubaisi ist kein Mann der lauten Töne. Er hört zu, macht eine Pause, bevor er antwortet, und sagt dann Sätze wie: "Wir wollen zu einer der bedeutendsten Investmentgesellschaften der Welt werden." So war es im vergangenen Januar, als der Geschäftsführer des Staatsfonds International Petroleum Investment Company (Ipic) aus Abu Dhabi den Kauf von 70 Prozent der Anteile des Industrieanlagenbauers MAN Ferrostaal besiegelte. Danach verkündete er unaufgeregt, fast leise, den Bau eines der größten Petrochemie-Werke der Welt in der Nähe von Abu Dhabi. Mehr als 50 Mrd. Dollar soll der Koloss Chemaweyaat kosten, an dem Ipic zu 40 Prozent beteiligt ist. Die deutsche Delegation im Hotel Intercontinental in Abu Dhabi bekam glänzende Augen, als Al Qubaisi dem Essener Unternehmen milliardenschwere Aufträge versprach.

Bislang investierte Ipic fast ausschließlich in Firmen aus dem Energiebereich. So hält der Staatsfonds Anteile an den österreichischen Gesellschaften OMV und Borealis und betreibt Pipelines in Libyen und Kasachstan. Neuerdings hat der Fonds auch ein Auge auf die kanadische Chemiefirma Nova Chemicals geworfen. Als die Nachricht vom Daimler-Einstieg am späten Sonntagabend über die Ticker lief, waren Investmentbanker in Dubai und Abu Dhabi zunächst überrascht. Warum setzt Ipic über sein Investmentvehikel Aabar plötzlich auf die Kraftfahrzeugbranche?

Einige der Finanzprofis verwiesen auf Al Qubaisis engen Draht zu Scheich Mansour, dem Vorsitzenden von Ipic, ebenfalls ein Autonarr. Der 39-jährige Mansour ist Minister für präsidiale Angelegenheiten und Bruder des Kronprinzen von Abu Dhabi. Er hat so viel Geld in seiner Privatschatulle, dass er sich kürzlich den englischen Erstliga-Fußballverein Manchester City für mehr als 200 Mio. Dollar unter den Nagel riss. Wie Mansour tanzt Al Qubaisi auf vielen Hochzeiten: Er ist Chef des Daimler-Großaktionärs Aabar Investments, Ipic-Geschäftsführer und sitzt im Vorstand von OMV, Borealis, Cepsa und der Hyundai Oilbank.

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