Daimler, Google & Dow
Wenn Firmen ihre Zahlen zu früh verraten

Der Quartalsbericht von Daimler erschien frühzeitig, weil eine US-Sprecherin versehentlich auf „Senden“ klickte. Es ist nicht die erste derartige Panne in der Quartalssaison. Für die Firmen kann das Malheur teuer werden.
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New York/StuttgartEs gibt Tage, da sollte man besser im Bett bleiben. So einen Tag hatte am Mittwoch eine Daimler-Sprecherin in den USA. Sie wollte schon mal die E-Mail mit den Geschäftszahlen vorbereiten, die am nächsten Morgen veröffentlicht werden sollten. Doch anstatt die E-Mail als Entwurf zu speichern, drückte sie versehentlich auf den „Senden“-Knopf. Damit nahm das Unglück seinen Lauf.

Zwölf Stunden zu früh landeten die Daimler-Zahlen in den Postfächern amerikanischer Journalisten. „Bitte ignorieren Sie die gerade gesendete E-Mail“, bat die Sprecherin noch in einer direkt im Anschluss gesendeten Nachricht. Doch was draußen ist, ist draußen. Kurze Zeit später liefen die Geschäftsergebnisse über die Ticker der US-Nachrichtenagenturen. Daimler war gezwungen, seine Mitteilung in Deutschland vorzuziehen.

Es war das dritte Mal in sieben Tagen, dass ein großer Konzern seine Geheimnisse zu früh verraten hat. Den Anfang machte Google am Donnerstag vergangener Woche mit seinen Geschäftszahlen, die ein beauftragter Dienstleister vier Stunden vor der Zeit herausgab. Am Dienstag verriet der US-Chemiekonzern Dow Chemical vorzeitig, dass er 20 Werke weltweit schließen und dabei 2400 Jobs streichen wolle, davon bis zu 160 in Deutschland. Und schließlich patzte Daimler.

Im Falle des deutschen Autobauers lief die Panne noch glimpflich ab - denn die Börse in Frankfurt war schon geschlossen, als das Malheur passierte. Bei Google indes platzten die Geschäftszahlen mitten in den laufenden Handel. Zuerst reagierten die Investoren verdutzt; im nächsten Augenblick drückten sie auf den Verkaufsknopf. Denn Google hatte im zurückliegenden Quartal schlechter abgeschnitten als erwartet. Die Aktie stürzte um nuen Prozent ab, mehrere Milliarden Dollar an Börsenwert waren futsch.

Es hat seinen Grund, weshalb wichtige Firmenmitteilungen außerhalb des regulären Börsenhandels veröffentlicht werden: Die Analysten und Investoren haben dadurch Zeit, das komplexe Zahlenwerk zu lesen und zu verstehen. Kurzschlussreaktionen sollen so verhindert werden. Im Falle von Google hätten die Börsianer sogar eine Nacht über die Geschäftsergebnisse schlafen können - und wären am nächsten Morgen zum Handelsbeginn vielleicht gnädiger gestimmt gewesen.

Allerdings passieren derartige Pannen äußerst selten angesichts der Fülle an Mitteilungen, die die Unternehmen täglich verschicken. Vor zwei Jahren verriet der weltgrößte Unterhaltungskonzern Disney seine Ergebnisse zu früh. „Börsianer mögen keine Überraschungen“, war damals der Kommentar eines Marktteilnehmers. Auch hier verlor die Aktie an Wert.

Richtig gefährlich wird es allerdings, wenn eine Falschmeldung verbreitet wird - was allerdings noch seltener passiert: Im vergangenen Jahr schockte die Ratingagentur Standard & Poor's die Märkte mit der Nachricht, Frankreich seine Top-Bonität abzuerkennen. Und das mitten in der Schuldenkrise. Ein „technischer Fehler“, wie es Stunden später hieß. Eine Automatik habe verrückt gespielt. Nur zwei Monate darauf wurde die Abstufung dann aber bittere Realität.

Im Fall Daimler war es menschliches Versagen. Den Fehler beging ausgerechnet eine Mitarbeiterin, die von Kollegen als sehr gewissenhaft beschrieben wird. Das scheint auch die Chefetage in Stuttgart anzuerkennen. „Ihr wird niemand den Kopf abreißen“, hieß es aus Unternehmenskreisen. Oder wie der Amerikaner sagt: „Shit happens.“ Dumm gelaufen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Daimler, Google & Dow: Wenn Firmen ihre Zahlen zu früh verraten"

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  • Schmeisst diesen dilettanten Zetsche endlich raus!

  • Sehe ich wie Sie; das verkraftet nicht mal DB

  • Zetsche hat kein Benzin im Blut. Da ist Winterkorn ein ganz anderes Kaliber.
    Zetsche hat mit Schremmpp u. Chrysler ca. 15 Mrd. € verbrannt !
    Zetsche schaut dem dilettantischen Treiben von Haug in der F1 tatenlos zu.
    Zetsche verbrannte bisher 2.2 Mrd. in der F1 ... Piech hätte ihn schon lange gefeuert.
    Mercedes wird die 14. Tochter im VW Konzern ... da nicht allein überlebensfähig.

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