Daimler, Telekom, Lufthansa
Die Gewinner und Verlierer der Bilanzsaison

Rekord-Umsätze, Gewinne auf Rekordniveau: Die 30 Dax-Konzerne blicken auf ein glänzendes drittes Quartal zurück. Während die Rückversicherer Verluste hinnehmen müssen, erstarken gleich mehrere Sorgenkinder.
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DüsseldorfRekordgewinne im ersten, Rekordgewinne im zweiten - und beinahe Rekordgewinne im dritten Quartal. Zwar sank der operative Gewinn der 30 Dax-Konzerne vor Steuern gegenüber dem sehr starken Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf knapp 29 Milliarden Euro. Doch das ist immer noch der zweihöchste Gewinn in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Hinzu kommt: Zwischen Juli und September steigerten die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne ihren Umsatz abermals um vier Prozent auf 329 Milliarden Euro. Das ist so viel wie noch nie. Mit Thyssen-Krupp präsentierte am Donnerstag der letzte Dax-Konzern seine Quartalsbilanz, die beim Stahlriesen gleichzeitig die Jahresbilanz ist. Der Kassensturz der Dax-Konzerne zeigt: Die deutschen Großunternehmen verdienen weiterhin prächtig.

Dass es nicht abermals zu einem neuen Rekordgewinn für die 30 Dax-Konzerne reichte, lag vor allem an Munich Re. Dem Rückversicherer machten „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ zu schaffen - drei verheerende Wirbelstürme in den USA. Viele Versicherungen mussten ihren Kunden hohe Schadenssummen begleichen, die sie bei der Munich Re rückversichert hatten.

Die Schreckensfolge: 1,7 Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal für den Rückversicherer. Doch für die Aktionäre gibt es Hoffnung: Nach vergleichbaren Naturkatastrophen sind in der Vergangenheit die Prämien stets angestiegen, die sich in höheren Gewinnen der Rückversicherer niederschlugen. Davon geht Munich Re auch diesmal aus.  

Alle übrigen Dax-Konzerne bilanzierten nach einer Berechnung der Unternehmensberatung EY schwarze Zahlen und damit Gewinne, am meisten Daimler mit 3,5 Milliarden Euro, gefolgt von der wieder erstarkten Deutschen Telekom mit 3,1 Milliarden Euro, die von ihrem starken US-Geschäft profitiert, und dem Versicherer Allianz mit 2,5 Milliarden Euro.

Die größten Umsatzzuwächse mit mehr als zehn Prozent verzeichneten der Gesundheitskonzern Fresenius, der Stahlhersteller Thyssen-Krupp und die Lufthansa.

„Die Dax-Konzerne sind weiter im Wachstumsmodus, aber der Schwung hat im dritten Quartal etwas nachgelassen“, urteilt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. Doch es ist kein nachlassender Konjunkturschwung, sondern es sind Einmaleffekte wie eben bei Munich Re oder auch Daimler.

Der Autobauer hätte noch mehr verdient, hätten nicht Kosten für die Nachrüstung von Dieselwagen die Bilanz belastet. Auch Volkswagen machte die Nachbesserung vieler Autos in den USA zu schaffen. Daimler und VW verdienten deshalb zusammen „nur“ 5,2 Milliarden Euro.

Abgesehen von diesen Störfällen profitierten die vielen exportstarken deutschen Unternehmen davon, dass die Konjunktur in allen drei großen Absatzregionen  - Asien, Amerika und Europa – gut läuft. Das gab es es zuletzt 2007. Dadurch gelingt es immer mehr Unternehmen, höhere Preise durchzusetzen, wovon beispielsweise BASF profitierte. Der Quartalsgewinn stieg um 34 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro.

Angesichts der hohen Nachfrage stellen die Unternehmen immer mehr Personal ein. Die Konzerne schufen netto knapp 124.000 neue Stellen. Sie beschäftigen jetzt 3,75 Millionen Mitarbeiter, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein Drittel der Konzerne steigerte seine Beschäftigtenzahl um vier Prozent und mehr. Die Entwicklung ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil der Finanzsektor auch 2017 massiv Stellen abbaut, allein bei der Deutschen Bank fielen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr rund 4000 Stellen weg.

Besonders gut entwickelte sich im dritten Quartal das Asien- und Europageschäft, wo die Umsätze zwischen fünf und sechs Prozent zulegten. Rund die Hälfte ihrer Umsätze erwirtschaften die Unternehmen auf dem Heimatkontinent.

Vor allem die Industriekonzerne profitieren von der Erholung in wichtigen Absatzländern wie Italien, Frankreich und vor allem Spanien. Hier sinkt seit mehreren Quartalen die Zahl der Arbeitslosen, was die Nachfrage der Konsumenten und Unternehmen, aber auch die Investitionsbereitschaft steigert.

Davon profitieren beispielsweise BASF als Hersteller von Grundchemikalien, aber auch die drei großen Autobauer BMW, Daimler und VW sowie der Zulieferer Continental.  

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  • In Offenbach am Main u.v.a deutschen Territorien sieht man leider nicht, dass der Gewinn und Reichtum ankommt.

    Eher sind das heruntergekommene und arme Stadtteile mit der entsprechenden Bevölkerung aus der Dritten Welt.

    So gewinnt man keinen Wettbewerb im Zeitalter der Industrie 4.0.

    Und die Kinder dieser Kulturen reißen es heute schon nicht in der 3. Generation. Bildung sieht anders aus

    Wenn sie gut die deutsche Sprache sprechen würden, steht das Schreiben noch auf einem ganz anderen Blatt.

    Diesen Wettbewerb hat Deutschland heute schon gegen Apple, Alphabet und Amazon verloren. Allein diese 3 Konzerne haben den Wert aller 30 DAX Konzerne zusammen.

    Sie ziehen auch ihr Potenzial nicht aus Schulen oder Unis von Offenbach, Berlin, Duisburg oder Gelsenkirchen.

    Es ist ein ungleicher Wettbewerb. Die Zukunft wird daher lauten, David gehen Goliath.

  • Sehr geehrter Herr Ulf Sommer,
    einen schönen, klaren und informativen Artikel haben Sie da über die deutschen, großen Aktiengesellschaften geschrieben. Sehr viele Gesellschaften machen einen schönen Gewinn und zahlen eine tolle Dividende und haben keine Schulden oder sogar richtig Liquidität.
    DANKE FÜR DIESEN ARTIKEL

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