Daimlers Lkw-Chef
Renschler darf weiter auf Tour gehen

Längere Zeit war ungewiss, ob Andreas Renschler weiter am Steuer der LKW-Sparte Daimlers bleiben darf. Die Stuttgarter verlängerten nun jedoch den Vertrag des 51-Jährigen vorzeitig um drei Jahre. Obwohl Daimler betont, an dieser Entscheidung hätte es nie Zweifel gegeben, gab es doch einige Gründe, die Renschlers Standing im Konzern erschütterten.
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STUTTGART. Andreas Renschler hat für einen Automanager mit Benzin im Blut ein ungewöhnliches Hobby. Er sammelt Eisenbahnen. Sein Büro ziert ein seltenes Märklin-Exemplar. Die Waggons sind mit Mercedesfahrzeugen beladen. Es sind ausgewählte Modelle, die die Eckpunkte seiner Karriere bei der Marke mit dem Stern markieren: Geländewagen der in den USA gebauten M-Klasse, Kleinwagen der Marke Smart und zahlreiche Mercedes-Lkw. Seit gestern ist klar: Es wird noch der eine oder andere Mini-Brummi auf dem Karrierezug hinzukommen.

Der Aufsichtsrat hat den im Oktober 2010 auslaufenden Vertrag mit seinem Nutzfahrzeugchef um drei weitere Jahre verlängert. Der Wirtschaftsingenieur gehört dem Daimler-Vorstand schon seit 2004 an. Intern habe die Vertragsverlängerung nie im Zweifel gestanden, hieß es in Stuttgart. Extern galt der 51-Jährige dagegen lange als Wackelkandidat. Zwar hatte er sich in den 90er-Jahren seine Meriten für einen schnellen Aufstieg im Konzern durch den erfolgreichen Aufbau des ersten Auslandswerks in den USA erworben. Einen ersten Knick gab es, als er die Verantwortung für den Kleinwagen Smart übernahm. Binnen fünf Jahren gelang es Renschler nicht, den Smart in die schwarzen Zahlen zu hieven. Auf Geheiß des damaligen Konzernchefs Jürgen Schrempp forcierte Renschler den Ausbau der Modellpalette. Doch damit wurde die Kleinwagensparte zum Milliardengrab. Das Smart-Desaster haftet Renschler als Makel bis heute an. Und angesichts des Einbruchs im Nutzfahrzeug-Absatz um 50 Prozent und tiefroten Zahlen in diesem Jahr schien Renschlers Stuhl immer wackliger zu werden. Die Arbeitnehmerseite hielt sich zwar bedeckt. Aber gegen eine Ablösung hätte es kaum Widerstand gegeben.

Doch der Aufsichtsrat rechnet Renschler an, dass er frühzeitig die kritische Situation in den USA erkannt hat, wenn auch nicht das komplette Ausmaß. Seine Vertragsverlängerung ist daher auch eine Auszeichnung dafür, dass das Nutzfahrzeuggeschäft des Weltmarktführers in der Krise noch vergleichsweise robust dasteht – und damit besser als die Konkurrenz. So bleibt Renschler, der bei öffentlichen Auftritten gerne unruhig mit den Füßen wippt, auch beim Thema VW erstaunlich gelassen. Er würde es lieber heute als morgen sehen, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch die Fusion von MAN mit Scania endlich unter Dach und Fach bringt. Dann würde Daimler in Europa zwar auf dem Papier ein starker Wettbewerber gegenüberstehen, aber der wäre vor allem mit sich selbst beschäftigt – und das in einer äußerst schwierigen Marktsituation. In dieser Konstellation vertraut der Aufsichtsrat lieber Renschler im Führerhaus.

Klar ist auch: Mit dessen Vertragsverlängerung wird es im Daimler-Vorstand keine gravierenden Veränderungen geben. Auch die im Dezember 2010 auslaufenden Mandate von Vorstandschef Dieter Zetsche und von Forschungschef Thomas Weber dürften erneuert werden. Zetsche zeigte sich zuletzt in Abu Dhabi bei einer Fahrzeugpräsentation diesbezüglich extrem gelassen und lobte seine Vorstandskollegen demonstrativ. Kein Autokonzern habe einen besseren Forschungschef, keiner einen fähigeren Finanzchef, und auch bei den Nutzfahrzeugen gebe es keinen Handlungsbedarf. Dem insgesamt fünfköpfigen Daimler-Vorstand gehören noch Finanzchef Bodo Uebber (bestellt bis 2011) und Personalchef Wilfried Porth (bis 2012) an.

Renschler wäre sicherlich das schwächste Glied gewesen. So wird wohl alles beim Alten bleiben. Mercedes-Produktionschef Rainer Schmückle oder Rückkehrer Wolfgang Bernhard müssen sich wohl gedulden, was einen schnellen Aufstieg in den Konzernvorstand betrifft. Allerdings wird Zetsche weiter mit dem Vorwurf leben müssen, dass er keinen zweiten starken Mann im Konzern aufbaut.

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