Daniel Akerson
Der Ungeduldige

GM-Chef Daniel Akerson ist ein Freund deutlicher Worte. Noch ist der General-Motors Chef nicht sehr lange im Amt- kann aber bereits eine blitzsaubere Bilanz vorlegen.
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DetroitFür Daniel Akerson geht es selten schnell genug. Gepaart mit seiner Eigenschaft, das direkte Wort zu pflegen, lässt das den 63-jährigen Chef von General Motors in der Autobranche schon mal anecken. So erzählte er Journalisten, Ford würde seine Luxusmarke Lincoln mit "Weihwasser besprenkeln", oder, das Hybrid-Auto Toyota Prius sei ein "Auto für Nerds". Das ist immerhin ein Fortschritt. Nach seinem Amtsantritt 2010 lobte er noch beim Genfer Autosalon die neuen Modelle vor dem Stand der GM-Tochter Opel - dabei waren es Fahrzeuge von Audi.

Das ist ihm dieses Jahr bei der Detroit Motor Show, die am Sonntag startete, nicht mehr passiert. Jetzt, 15 Monate im Amt, hat Akerson sich an die Autowelt gewöhnt. Bislang hat er bei GM eine blitzsaubere Bilanz hingelegt. Seit zwei Jahren erzielt der schon totgesagte Autogigant wieder Gewinne. Am Sonntag präsentierte er auf der Detroiter Autoshow den Cadillac ATS, die erste kompakte Limousine von GM seit mehr als 20 Jahren.

Dennoch gönnt sich Akerson keine Pause: Er will GM radikal umbauen. Nicht noch mal soll die Legende der US-Autoindustrie ums Überleben ringen. Der Mann lernt schnell. Zeit seines Lebens arbeitete er in anderen Branchen, zuletzt sieben Jahre beim Private-Equity-Giganten Carlyle Group, wo er als Feuerwehrmann und Chef des globalen Geschäfts diente. In den Jahrzehnten zuvor lenkte er verschiedene IT-, Rüstungs- und Telekomunternehmen wie MCI, General Instrument oder Nextel.

Die US-Armee spielte eine große Rolle in dem Leben von Akerson. Bei der Navy studierte er Ingenieurswesen, um danach fünf Jahre als Offizier auf einem Zerstörer zu dienen. Nach seiner Militärzeit machte er auf der London School of Economics einen Master in Wirtschaft. Das alles hört sich nach einem harten Hund an. Aber William Conway, einer der Gründer von Carlyle, kennt auch andere Seiten von Akerson: "So ein harter Kerl ist Dan in Wahrheit gar nicht, er muss nur harte Entscheidungen fällen. Und er ist niemand, der sich davor drückt."

Dennoch hat er bei GM auch personell umgebaut. Fast die gesamte Führungsmannschaft hat Akerson mit Kandidaten von außen besetzt. Der Amerikaner will GM umkrempeln, schneller, flexibler machen. Die alte Denke von "Marktanteile gewinnen" ist out. Akerson schert sich nicht um Titel wie "Der größte Autobauer der Welt", er will Kunden überzeugen und Geld verdienen.

Doch so rasch lässt sich GM nicht umdrehen. Noch immer legt der Konzern mehr Geld auf den Tisch als jeder andere Anbieter, um neue Kunden zu locken. Durchschnittlich zahlt GM 3346 Dollar laut Branchendienst Edmunds.com an Preisnachlässen und anderen Rabatten je verkauftes Auto. Bei Chrysler beläuft sich die Summe nur auf 2579 Dollar. Dazu steht die europäische Tochter mit Opel vor großen Problemen. Aber wie sagte Akerson so schön am Sonntag bei der Cadillac-ATS-Präsentation: "Probleme und Konkurrenz schärfen die Sinne."

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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