Daniel Bloch im Profil
Der Schokobaron

Daniel Bloch führt die feine Schweizer Marke „Camille Bloch“ in dritter Generation. Von seiner im Gebirge versteckten Fabrik aus, exportiert Bloch Schokoladenspezialitäten in alle Welt. Jetzt will er auf dem Hauptexportmarkt Deutschland noch mehr Leckereien absetzen.

COUTELARY. Plötzlich steht er mittendrin: ein kleiner Mann mit großen, durchdringenden Augen, wenig Haar, der Hemdkragen etwas verrutscht. Alle Blicke richten sich auf ihn, und auch seine Generalin – oder Direktionsassistentin, wie ihr offizieller Titel heißt –, die eben noch die Gruppe mit klaren Marschbefehlen durch die Fabrik dirigiert hat, verstummt.

Wie ein Entertainer auf der Bühne, nur ohne das schützende Licht der Scheinwerfer und den bewahrenden Abstand durch die Rampe, soll Daniel Bloch jetzt die Erklärung zur Show liefern. Und wie ein Schauspieler braucht der Schokoladenbaron aus dem schweizerischen Jura ein bisschen Zeit, bis er warm wird.

Die Show – das war eben der Gang durch seine Schokoladenfabrik, die tief im Berner Jura-Gebirge im kleinen Ort Coutelary verborgen liegt. Hier fertigt Daniel Bloch die feine Schokolade der Marke Camille Bloch, die in der Schweiz auf Platz drei hinter den Riesen Lindt & Sprüngli und Nestlé rangiert und deren Praliné-Stängel dort fast so beliebt sind wie das Kräuterbonbon Ricola. Den Großteil des Exports liefert Bloch nach Deutschland, wo Schoko-Spezialitäten im Trend liegen. Er will künftig noch mehr liefern.

Wenn es überhaupt eine Region in der Schweiz gibt, die das Etikett Armenhaus verdient, dann das Jura-Gebiet. Die Kantone hier oben, nahe der französischen Grenze, leiden unter chronisch klammen Kassen. Waldbauern, ein paar Uhrenmanufakturen: Da wird eine Schokoladenfabrik, die 200 Mitarbeiter beschäftigt, zum größten Arbeitgeber weit und breit.

Es ist nicht einfach, aus den Tiefen der Jura-Täler heraus wahrgenommen zu werden. Die hohen Schornsteine der Schokoladenbäcker künden noch immer davon, dass die Gebäude mal als Papierfabrik entworfen worden waren, bevor Camille Bloch, der Großvater von Daniel, vor 73 Jahren beschloss, die Fabrikation von Schokolade und Konfisserieartikeln aus Bern hierher zu verlagern.

Der Großvater: Daniel Bloch taut sichtbar auf, wenn er von ihm erzählt. Er selbst ist ein Familienmensch, zusammen mit seinen beiden Geschwistern kommt die dritte Generation inzwischen auf zehn Nachfolger. Um die Zukunft der Schokolade aus dem Jura müssen sich die Schweizer also keine Sorgen machen. Der jüngere Bruder Stéphane ist Daniel Blochs Stellvertreter im Verwaltungsrat des Unternehmens.

Die jüdische Familie verlegte die Schokoladenproduktion zu einer Zeit ins Jura, als in den Nachbarländern ringsherum die Zeit der Pogrome gegen ihre Glaubensbrüder begann. „Ich habe eine glückliche Jugend in einer unglücklichen Zeit erlebt“, soll Daniel Blochs Vater Rolf später zu Protokoll geben. Als es auch in der Schweiz für den Großvater als Juden schwer wurde, an den Rohstoff Kakao heranzukommen, erfand er „Ragusa“, einen „Praliné-Stängel“, wie es hier heißt, bei dem eine Haselnussmasse den Kakao ersetzt. Der Stängel ist noch heute der Bestseller aus dem Jura-Tal. „Immer wenn es schwierig wurde, sind wir am meisten gewachsen“, stellt der Enkel fest.

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