Daniel Domscheit-Berg
Neuer Herausforderer für Wikileaks

Wikileaks droht Konkurrenz. Der ehemalige Sprecher der Internetseite denkt über eine weiterentwickelte Enthüllungsplattform nach. Erst vor etwa einem Monat wurde Domscheit-Berg von dem Gründer der Organisation entlassen.
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NEW YORK/DÜSSELDORF. Daniel Domscheit-Berg, ehemals Sprecher der umstrittenen Online-Enthüllungsplattform, plant eine Alternative. "Ich will die Idee einer dezentralen Enthüllungsplattform weiterentwickeln", sagte er jetzt dem Berliner "Tagesspiegel". Die Finanzierung soll offenbar über eine Stiftung erfolgen. Zu den konkreten Schritten eines neuen Wikileaks will sich Domscheit-Berg, der sich bis dato Daniel Schmitt genannt hatte, erst in den nächsten Wochen äußern.

Mit seinem Plan provoziert er Wikileaks-Gründer Julian Assange. Der 32-jährige Domscheit-Berg war erst vor rund einem Monat von Assange seines Amtes enthoben worden. Auslöser für die Trennung war Domscheit-Bergs Kritik an dem Gründer der Internetplattform. "Wikileaks fordert größtmögliche Transparenz, ohne selber transparent zu arbeiten. Das geht nicht", kritisierte Domscheit-Berg. Er bemängelte, dass der mittlerweile in Schweden lebende Assange zu viel Macht auf sich vereinigt habe.

Assange ist derzeit schwer unter Druck. Die schwedischen Justizbehörden ermitteln gegen ihn wegen Verdachts auf Vergewaltigung. Der Wikileaks-Gründer bestreitet alle Vorwürfe.

Wikileaks, bekannt geworden durch die Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten zum Afghanistankrieg, finanziert sich aus Spenden. Die Internetplattform fordert die totale Transparenz von Regierungen und Unternehmen, deren geheime Dokumente die Organisation veröffentlicht. An diese Maßstäbe kann sich Assange mit seinem Projekt selbst jedoch nicht halten.

Der Zahlungsfluss der Organisation war in der Vergangenheit instabil. Vergangenes Jahr musste die Webseite für einige Zeit geschlossen werden, weil Spenden ausblieben. In diesem Jahr habe Wikileaks jedoch bereits rund eine Million Dollar eingesammelt, berichtete zuletzt das "Wall Street Journal". Die Fäden für die Zahlungsströme laufen jedoch in Deutschland zusammen. Auf der Internetseite ruft Wikileaks die Besucher dazu auf, Gelder an die deutsche Wau-Holland-Stiftung zu spenden.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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