Dankwart von Schultzendorff wird Ace-Chef
Die Party ist vorüber

Manchmal ziehen die Gegensätze sich an. Auf der einen Seite stand der Bermuda-Versicherer ACE, der nach angeblich übertriebenen Kundenpartys einen neuen Deutschlandchef suchte. Auf der anderen Seite der distinguierte Hanseat Dankwart von Schultzendorff (53), ein nüchterner und hochangesehener Versicherungsexperte. Nun haben sie sich gefunden.

DÜSSELDORF. Von Schultzendorff geht zum 1. April als neuer Deutschland-, Österreich- und Schweiz-Chef zum Bermuda-Versicherer Ace nach Frankfurt. Er war auf der Suche nach einem geeigneten Job, nachdem er im Juni 2007 den größten Versicherungsmakler in Deutschland, Aon Jauch & Hübener in Hamburg, verlassen hatte. Zuvor leitete er sieben Jahre lang die Geschicke des US-Maklerkonzerns im deutschsprachigen Raum. Aon zählt neben Marsh zu den führenden Adressen in der Versicherungsvermittlung auf dem Weltmarkt. Davor war von Schultzendorff Vorstand des Axa-Konzerns in Köln. Dort hatte er zuletzt die Industrieversicherung verantwortet.

Sein Ausscheiden bei Aon kam für Insider im vergangenen Jahr nicht wirklich überraschend. Die Großmakler stehen weltweit unter Druck. Zum einen leiden sie unter sinkenden Einnahmen, weil die Preise im Industriegeschäft fallen. Zum anderen fordern die internationalen Wettbewerbshüter empfindliche Änderungen am intransparenten Geschäftsmodell. Von Schultzendorff fiel der Umstrukturierung bei Aon zum Opfer.

In der Branche galt es bloß als eine Frage der Zeit, bis von Schultzendorff wieder in führender Position in der Versicherungswirtschaft auftaucht - egal auf welcher Seite, denn er kennt ja beide.

Für Ace ist er ein Glücksfall. Denn dort ist Europachef David Furby schon seit fast einem Dreivierteljahr auf der Suche nach einem Nachfolger für den von ihm vergraulten Ex-Deutschlandchef Lothar Riedle. Der Wechsel von Riedle auf von Schultzendorff hätte denn auch kaum gegensätzlicher sein können. Der Wahl-Hamburger von Schultzendorff strahlt alte hanseatische Schule aus. Der vierfache Familienvater wirkt eher streng als locker. Es scheint, als wolle Furby demonstrieren: Die Party ist endgültig vorüber.

Anlass für Riedles Weggang war die zeitweilige Suspendierung Riedles im Nachgang zu einer Kundenveranstaltung in einem österreichischen Wintersportort. Die internen Nachforschungen führten aber offenbar ins Leere: Riedle war nach knapp zwei Wochen wieder in Amt und Würden. Doch das Vertrauensverhältnis zu seinem Chef in Paris war zerrüttet. Riedle kündigte und heuerte bei der Konkurrenz an. Die Glacier Insurance in Köln muss auf ihn vorerst allerdings noch verzichten: Ace lässt ihn vor Ende Juli nicht aus dem Vertrag. Zu tief sind die persönlichen Gräben - und zugleich wohl auch die Sorge um Personal- und Kundenabwanderungen.

Die Sorge scheint aus heutiger Sicht unbegründet. Einerseits weil Riedle noch kaltgestellt ist, andererseits aber auch wegen seines Interimsnachfolgers. Seit Juli 2007 füllt Gerard "Geb" Jansen (61) Riedles Position bei Ace aus. Der gebürtige Niederländer hat es geschafft, Kunden und Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Und das, obwohl er nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er sich nur vorübergehend zur Verfügung stellt.

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