„Das Karussell dreht sich“
Chefsessel immer häufiger Schleudersitz

Einer Studie zufolge ist im deutschsprachigen Raum der unfreiwillige Abgang von Unternehmenslenkern wie jetzt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Schwächelt der Aktienkurs oder ist die Gewinnentwicklung unzureichend, dann neigen Aufsichtsräte viel schneller als früher zum Sturz des Vorstandschefs.

HB MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Kai-Uwe Ricke und Bernd Pischetsrieder hielten sich nicht einmal fünf Jahre an der Spitze der Deutschen Telekom und von Volkswagen und sind damit längst keine Einzelfälle. Vor allem seit internationale Beteiligungsgesellschaften und Hedge Fonds verstärkt in Deutschland investieren, ist die Verweildauer der Spitzenmanager im Amt gesunken. So kann heute ein 43-Jähriger, der wie der neue Telekom-Chef René Obermann einen Vorstandsvorsitz übernimmt, nicht mehr damit rechnen, bis zur Pensionierung im Amt zu bleiben. „Diese Zeiten sind endgültig vorbei“, sagte Claus Goworr von der Unternehmens- und Personalberatung CGC am Montag in München. Mit weiteren überraschenden Wechseln sei zu rechnen. „Das Karussell dreht sich weiter.“

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton waren 2005 bei mehr als jedem zweiten Führungswechsel im deutschsprachigen Raum mangelnde Leistungen des Konzernchefs die Ursache gewesen. Berücksichtigt man die Managerfluktuation durch Firmenübernahmen, so kam das Aus sogar für mehr als zwei Drittel der Manager unfreiwillig. Besonders gefährdet sind der Studie zufolge die Chefs von Telekommunikationsfirmen. Ricke wird es bestätigen.

Doch ist der deutschsprachige Raum der Untersuchung zufolge für Manager ohnehin ein besonders gefährliches Pflaster. Weltweit mussten der Studie zufolge nur ein Drittel der ausgeschiedenen Firmenchefs ihren Hut wegen mangelnder Leistungen nehmen, in Deutschland mehr als die Hälfte.

Seit sich das Netzwerk der Deutschland AG aufgelöst hat, weht ein rauer Wind durch die Chefetagen. So steht bei Siemens der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld stark in der Kritik, obwohl sein radikaler Konzernumbau langsam Wirkung zeigt. Auch über Tui-Chef Michael Frenzel gibt es immer wieder einmal Spekulationen. Wegen hoher Gehälter, des oft massiven Stellenabbaus und einzelner Affären geraten Manager zudem auch öffentlich heute schneller ins Kreuzfeuer der Kritik.

Seite 1:

Chefsessel immer häufiger Schleudersitz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%