Das Londoner Olympia-Duo: Sebastian Coe und Paul Deighton
Zwei Unerschrockene

Sie haben vermutlich geahnt, dass es wieder Ärger geben würde. In einer perfekt inszenierten Show präsentieren Sebastian Coe und Paul Deighton das Logo für die Olympischen Spiele 2012. Sportlich und schlank, im offenen Hemd und ohne Jackett stehen sie am Montag auf der Bühne im schicken Veranstaltungssaal Roundhouse im Londoner Szeneviertel Camden, umrahmt von jungen Menschen und bekannten Athleten.

Der Chairman und der Vorstandschef des Organisationskomitees reden von Inspiration, von der Begeisterung, die das ganze Land erfassen soll, Reizthemen wie die Finanzierung oder Doping lassen sie aus.

Doch nur wenige Stunden später bricht der Mediensturm los. Empörung über das zackige, poppige Logo im Graffiti-Stil und in Farbtönen der achtziger Jahre schäumt über die Titelseiten der Abendzeitungen. Design-Experten, Journalisten und Volkes Stimme sind sich einig: Das Ding ist eine Schande, steht weder für Olympia noch für London.

In einer Umfrage der BBC-Webseite finden es drei Viertel der Leser scheußlich. Es fallen sogar Vergleiche mit SS-Runen oder einem „Hakenkreuz in Pink“. Mehr als 50 000 Menschen unterstützen eine Internet-Petition zur Abschaffung des Markenzeichens. Eine Epileptiker-Organisation erreicht sogar, dass der hektisch-farbenfrohe Werbefilm zum Logo aus dem Internet entfernt wird – er löst angeblich Anfälle aus.

Ein PR-Desaster ersten Ranges? Für Coe und Deighton ist das beinahe Routine. Schon während der Olympia-Bewerbung gab es in London besonders viele interne Kritiker. Das ist nach dem Überraschungssieg am 6. Juli 2005 nicht besser geworden. Vor allem an den Finanzen reiben sich die Londoner, fürchten sie doch, für die Explosion des Budgets am Ende per Gemeindesteuer zur Kasse gebeten zu werden. Man kann es ihnen nicht völlig verdenken: Umgerechnet 3,5 Milliarden Euro sollten die Londoner Spiele ursprünglich kosten – inzwischen hat die Schätzung für das Gesamtbudget 13,7 Milliarden Euro erreicht.

Doch die Chefs des Organisationskomitees lassen die Kritik an sich abprallen. Für beide, so unterschiedlich ihr Hintergrund auch ist, sind die Olympischen Spiele in ihrer Heimatstadt weit mehr als ein Job. Sie sind ihr Eintrag in das Geschichtsbuch, der Höhepunkt ihrer Karrieren. Dabei haben sich die Fünfzigjährigen längst auf anderen Gebieten bewiesen und genug Geld verdient, um sich locker zur Ruhe zu setzen.

Der Berühmtere der beiden ist ohne Zweifel Sebastian Coe. Unvergessen sind die Duelle, die er sich in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren mit seinem britischen Widersacher Steve Ovett lieferte. Bei den von den USA boykottierten Olympischen Spielen 1980 in Moskau, bei denen beide gegen den Willen von Margaret Thatcher antreten, gewinnt Coe Gold über 1500 Meter und Silber über 800 Meter.

Vier Jahre später in Los Angeles wiederholt er den Triumph. Schon auf dem Höhepunkt seiner Sportlaufbahn übernimmt er Ämter in Sportverbänden und streckt seine Fühler in die Politik aus. Er baut eine Kette von Fitness-Clubs auf, kommentiert Sportereignisse in Radio und Fernsehen und berät den Sportschuhriesen Nike.

Seine politische Karriere bleibt jedoch hinter seinen Träumen zurück: Nach fünf Jahren verliert er den Sitz im Parlament, den er für die Konservativen 1992 gewann. Danach ist er Stabschef – und Fitness-Coach – für Blairs Herausforderer William Hague. Nach der krachenden Wahlniederlage 2001 zieht sich Coe allerdings als Lord ins Oberhaus zurück.

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