Datalogic
So geheim wie James Bond

Roberto Tunioli ist der bestbezahlte Manager Italiens. Aber kaum jemand kennt den Datalogic-Chef. Das ändert sich nun: Tunioli will in die Politik.

MAILAND. Tunioli? Roberto Tunioli? In James-Bond-Haltung mit Smoking und Kassen-Scanner als Pistole in der Hand lässt sich der italienische Manager für das Männermagazin „Style“ der Tageszeitung „Corriere della Sera“ ablichten. Und wie der Held der Agenten-Kultfilme musste auch Tunioli bis vor kurzem seinen Namen oft zweimal sagen. Denn er war selbst in Italien außerhalb seiner Heimatstadt Bologna so gut wie unbekannt.

Tunioli, Roberto Tunioli? Das haben sich daher wohl auch die meisten Leser der Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“ gefragt, als sie vergangene Woche die Rangliste der am höchsten bezahlten Manager des Landes lasen. Und auf Platz eins keine der bekannten Größen der italienischen Wirtschaft entdeckten, sondern überraschend den Vorstandsvorsitzenden eines italienischen Konzerns namens Datalogic.

Mehr als acht Millionen Euro hat der 48-jährige Tunioli im vergangenen Jahr kassiert – mehr als doppelt so viel wie Fiatchef Sergio Marchionne oder Generali-Präsident Antoine Bernheim. Und das an der Spitze eines Unternehmens, das der Öffentlichkeit genauso unbekannt ist wie ihr Vorstand.

Tunioli ist Chef von Datalogic, immerhin der Nummer drei weltweit unter den Herstellern von Scannern für Strichcodes, die vor allem an Supermarktkassen und in Warenlagern zum Einsatz kommen. Das Unternehmen mit Zentrale in Bologna setzte im vergangenen Jahr 380 Millionen Euro um und erzielte knapp 18 Millionen Euro Nettogewinn – nach Abzug von Tuniolis stattlichen Bezügen.

Der Vorstandsvorsitzende, den das Magazin „Style“ nicht nur als Manager, sondern auch als Botschafter italienischer Eleganz feiert, ist ein Selfmademan: Seine Eltern betrieben einen Obst- und Gemüseladen. Der Sohn arbeitet nach dem Fachabitur zunächst für eine lokale Bank und später als Finanzberater.

Mit 30 Jahren wechselt er zu seinem heutigen Arbeitgeber, wo er zunächst für die Finanzen zuständig ist. Fünf Jahre später steigt er zum Generaldirektor auf. Zwei Jahre später, im Jahr 1995, übernimmt er den Posten des Vorstandsvorsitzenden.

Tunioli sorgt dafür, dass Datalogic schnell wächst. Das gelingt ihm, weil er viele Unternehmen kauft. Unter seiner Führung verzehnfacht Datalogic seinen Umsatz und verkauft heute mit 2000 Mitarbeitern seine Scanner in 30 Ländern.

Den entscheidenden Coup landet Tunioli vor vier Jahren: Datalogic übernimmt den US-Konzern PSC und verdoppelt so den Umsatz auf einen Schlag. Sein eigenes Gehalt steigert der Chef in dieser Zeit gleich um das Vierfache.

Doch nicht nur die Wirtschaft und das Geld haben es dem Selfmade-Manager angetan. Auch die Politik reizt den Mann, der seinen Mitarbeitern gegenüber von einer „Mischung von Unternehmer und einer Leidenschaft für die Politik“ spricht.

Hingezogen fühlt er sich zum „Popolo della Libertà“ (Volk der Freiheit), der Partei, die von einem anderen Selfmademan, Silvio Berlusconi, geführt wird. Für Berlusconis Partei kandidiert Tunioli derzeit für einen Posten im Rathaus von Bologna, einer historisch eher links regierten Stadt.

Außerdem sitzt Tunioli in verschiedenen Aufsichtsräten kleinerer Unternehmen in Italien und seit dem vergangenen Herbst auch beim amerikanischen Personaldienstleister Monster Worldwide. „Roberto ist ein etablierter, anerkannter und hochangesehener Wirtschaftsführer in Italien und Europa“, lobt ihn Sal Ianuzzi, der Chairman von Monster Worldwide.

Tunioli schaffte es in den vergangenen fünf Jahren, den Aktienkurs von Datalogic an der Mailänder Börse sogar leicht zu erhöhen, während der Mailänder Index in dieser Zeit rund 40 Prozent verlor.

Roberto Tunioli ist verheiratet und hat einen Sohn. Für dessen Zukunft hat der Vorstandsvorsitzende als Nummer eins der Topverdiener in Italien finanziell jedenfalls vorgesorgt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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