Datenaffäre
Bahn-Chef Grube greift durch

Der neue Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube zieht weitere personelle Konsequenzen aus der Datenaffäre. Insgesamt vier Vorstandsmitglieder verlassen den Konzern. Und das ist noch nicht alles, das Grube veranlasst, um deutlich zu machen: Er schließt mit der Ära Mehdorn ab.

BERLIN. Der Ort, ein Ballsaal des Berliner Marriott-Hotels am Potsdamer Platz, weckt Erinnerungen: Nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der Hartmut Mehdorn Ende März seinen Rücktritt als Bahn-Chef verkündete und mit Tränen in den Augen verschwand, muss sein Nachfolger Rüdiger Grube den Neustart glaubhaft machen. Den Neustart nach der Datenaffäre, die seit Monaten den Konzern lähmt und am Mittwoch mit der Vorlage der Ermittlungsergebnisse im Aufsichtsrat zumindest einen Teilabschluss gefunden hat.

Den Anfang stellt Grube, der auf dem Podium neben seinem wuchtigen, vitalen Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller fast schon schmächtig wirkt, unter zwei Schlagworte: „Hygiene“ und „Unternehmenskultur“. „Diese sind für mich Maßstab für alle notwendigen Entscheidungen.“ Und er macht deutlich, dass die Blässe im Gesicht, mit der er zu seiner ersten Pressekonferenz als Bahn-Chef am 13. Tag seiner Amtszeit angetreten ist, nur äußerlich ist. Er schwächelt keineswegs, er zaudert nicht. Entschieden hat er bereits – schnell, durchgreifend, konsequent: „Herr Müller und ich“, so sagt er ruhig und überzeugt, „sind zu der Überzeugung gelangt, dass wir jetzt neue Maßstäbe im Bereich der Compliance, der Datensicherheit, der Revision, der IT, der Korruptionsbekämpfung und vor allem in der Unternehmenskultur setzen müssen.“

An den Anfang stellt er dazu den umfassenden personellen Umbau der Konzernspitze. Einen „wirklichen Schlussstrich“ will er ziehen, mit dem Datenmissbrauch „ein für alle Mal aufräumen“. Gleich vier Vorstände werden schon im Juni nicht mehr dabei sein. Margret Suckale, Personalchefin der DB Mobility Logistics, in der das operative Bahn- und Logistik-Geschäft zusammengefasst ist, hatte bereits von sich aus die Flucht nach vorn angetreten und – wie berichtet – vergangene Woche ein Angebot von BASF angenommen.

Wie sie, so Aufsichtsratschef Müller, hätten auch Otto Wiesheu – der langjährige CSU-Politiker war seit 2006 als Vorstand Wirtschaft und Politik Verbindungsmann der Bahn zu Regierung und Parlament – sowie Transport- und Logistik-Vorstand Norbert Bensel ihren Rücktritt angeboten. Ihn, den promovierten Chemiker, holte seine Vergangenheit ein: Als langjähriger „Personaler“ war der Vertraute von Mehdorn 2002 vom Daimler-Konzern als Personalvorstand in den Bahn-Tower in Berlin gewechselt, war Vorgänger von Suckale.

Die Rücktrittsangebote seien in allen drei Fällen angenommen worden, erklärte Müller. Und betonte mehrfach, dies habe nichts mit persönlicher Schuld der Betroffenen zu tun: Jedes Vorstandsmitglied habe glaubhaft versichert, an den Spitzelaktionen weder „veranlassend, wissend, mitwissend noch tolerierend“ beteiligt gewesen zu sein. „Es gibt keinerlei Anlass, an den Aussagen der Vorstände zu zweifeln“, erklärte der Aufsichtsratschef. Vielmehr habe die politische „Ressortverantwortung“ die drei Spitzenmanager eingeholt.

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