Datenskandal
EDF-Manager soll Greenpeace ausspioniert haben

Zwei Manager des französischen Energiekonzerns EDF sollen Computer von Atomgegnern gehackt haben. Die Spionage-Opfer arbeiten für die Umweltorganisation Greenpeace. Da EDF mehrheitlich dem französischen Staat gehört, könnte sich der Fall zu einer Staatsaffäre ausweiten.

PARIS. Die Justiz hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Computer-Spionage gegen zwei Manager des französischen Energiekonzerns EDF eröffnet. Hauptverdächtiger sei die Nummer zwei der Sicherheitsabteilung, Pierre Francois, meldet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise. Dieser habe versucht, sich mit Hilfe der Auskunftei Kargus Consultants in das Computer-System von Greenpeace France zu hacken. EDF bestätigte die Ermittlungen und will seinerseits Zivilklage erheben, um für den möglichen Image-Schaden entschädigt zu werden. Der Konzern selber habe aber mit der Affäre nichts zu tun. Die Betroffenen bestreiten die Vorwürfe.

Die Affäre ist politisch brisant: Das Spionage-Opfer Yannick Jadot, Ex-Kampagnen-Chef von Greenpeace France, kandidiert derzeit für die Grünen für das Europa-Parlament. Jadot ist ein bekannter Atomkraft-Gegner. Gestern erklärte er, dass „EDF ganz klar in der Affäre eine Rolle spielt“.

Pierre Francois war Chef der Anti-Banden-Polizei, bevor er im Jahr 1994 von EDF als Sicherheitsverantwortlicher angeheuert wurde. Ihm wird vorgeworfen, in das Computersystem Jadots eingedrungen zu sein, um dessen Aktivitäten zu überwachen. Im Zuge der Ermittlungen sind bereits Räumlichkeiten von EDF durchsucht worden, wie der Konzern auf Anfrage bestätigte.

„Wenn sich die Verwicklung von EDF bestätigen sollte, wäre das ein enormer Skandal“, sagte Jadot. Denn dies beweise, dass man in Frankreich nicht über Atomkraft-Risiken informieren könne. Der Grünen-Politiker sieht in der Affäre Parallelen zum Skandal der Deutschen Bahn. Sollten sich die Vorwürfe gegen EDF wie bei der Bahn erhärten, müssten auch die Verantwortlichen die Konsequenzen ziehen und zurücktreten, forderte Jadot.

Da EDF mehrheitlich dem französischen Staat gehört, könnte sich der Fall sogar noch zu einer Staatsaffäre ausweiten. Denn dann stellt sich die Frage, was die Regierung in Paris und die Konzernführung von den illegalen Überwachungs-Praktiken wusste. Dann scheint auch die Vertragsverlängerung von EDF-Vorstandschef Pierre Gadonneix, gefährdet. Das Mandat dessen Managers läuft im November dieses Jahres aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%