David Arculus wird Chairman des Mobilfunkers MMO2
Von der Disko in die Vorstandsetage

Die wilden Diskonächte sind lange vorbei für David Arculus. Aber es waren die Diskonächte mit Abba, Rolling Stones und Beatles, mit denen seine Karriere so richtig in Schwung geriet. Der Erfolg des Magazins "Smash Hits", in dem die Liedtexte bekannter Bands abgedruckt wurden, überraschte ihn selbst und war Auslöser seiner Karriere.

LONDON. Die wilden Diskonächte sind lange vorbei für David Arculus. Der Brite ist jetzt 58, und es ist mehr als 30 Jahre her, dass er mit seinen Kumpels durch die Clubs seiner Heimatstadt Peterborough zog. Aber es waren die Diskonächte mit Abba, Rolling Stones und Beatles, mit denen seine Karriere so richtig in Schwung geriet – und die ihn auf den Weg brachten, der am 28. Juli mit seinem Amtsantritt als Chairman des Mobilfunkers MM02 einen neuen Höhepunkt erreichen wird.

„Die Idee war so simpel“, sagt Arculus und lacht, dass sein blauer Schlips mit den fröhlichen Kugelreihen auf dem feinen Businesshemd hüpft. Der Manager, dessen dunkles Haar heute graue Strähnen zieren, ist eher Staatsmann als Rock ’n’ Roller. 1978 war das noch anders.

Arculus arbeitete bei Emap, einem eher regional orientierten Zeitungshaus. Abends in der Disko kam ihm eine Idee. „Wir merkten, dass all die tanzenden Mädchen ringsum versuchten, die Texte der Popsongs mitzuträllern.“ Warum nicht ein Heft mit den Texten drucken? Das Magazin „Smash Hits“ war geboren. Der Erfolg überraschte selbst Arculus: „Innerhalb eines Jahres stieg unsere Auflage von 10 000 Stück auf über eine Million.“ Mit den Einnahmen machten er und Emap-Chef Robin Miller aus Emap ein milliardenschweres Verlagshaus.

Auch bei dem Mobilfunker MM02 gilt es, eine Marke aufzubauen. Der in Deutschland, Irland und Großbritannien vertretene Anbieter entstand erst Ende der 90er- Jahre, als British Telecom den Mobilfunk abspaltete; und MM02 liegt hinter den Marktführern noch zurück. Als Chairman ist Arculus bei MM02 eher Aufsichtsratschef als Vorstandsvorsitzender. Was der operative Chef Peter Erskine und sein Team geleistet hätten, beeindrucke ihn sehr, sagt Arculus. Mit neuem Namen und Marketing gewinne der Konzern stetig Marktanteile. Bei solchen Sätzen hat sein fester Blick etwas Beschwörendes. Der Mann gilt als Motivator und Teamspieler. „Management ist vor allem Zuhören“, sagt er, und ein Vorstand des Wasserversorgers Severn Trent lobt, Arculus habe genau diese Fähigkeit. Er finde stets einen fairen Kompromiss.

Während der 24 Jahre, die er für Emap arbeitete, baute sich Arculus ein feines Kontaktnetz auf. Heute gehört er zu den einflussreichsten Managern der britischen Wirtschaft. So sitzt er in der Spitze des Industrieverbandes CBI und leitet die von der Regierung berufene „Better Regulation Task Force“. Außerdem ist er Chairman von Severn Trent. Der Wechsel vom Wasser- ins Handynetz ist selbst im flexiblen England eher ungewöhnlich, zumal der Medienmann Arculus keinerlei Erfahrung in der Mobilfunkbranche hat.

Bei Severn Trent löste seine Ankündigung nicht nur Erstaunen aus, sondern auch Ärger. Die englische Wasserbranche steht vor wichtigen Veränderungen, die Aufsicht will bis Jahresende ihre Prüfung der Wasserpreise abschließen. Bis Weihnachten wird Arculus deshalb Doppel-Chairman sein. Das löste wegen der neuen Regeln zur Corporate Governance schon Kritik aus.

Auch die Bezahlung bei MMO2 sorgte für bissige Kommentare. Für den Posten als Chairman, den er zunächst nur zwei Tage pro Woche ausübt, bekommt er 325 000 Pfund (rund 485 000 Euro) jährlich, dazu als eine Art Antrittsprämie Aktien im Wert von 300 000 Pfund. Die Zeitung „Daily Telegraph“ machte daraus eine neue Gehaltskategorie: das „golden hello“.

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