Dax-Chefs: Wer will schon aufhören, wenn es am schönsten ist

Dax-Chefs
Wer will schon aufhören, wenn es am schönsten ist

Von Ron Sommer bis Klaus Zumwinkel: Immer wieder verpassen Top-Manager den richtigen Zeitpunkt zum Gehen. Doch gerade zeigen zwei Unternehmenslenker, wie man es richtig macht.

DüsseldorfSie sind die Helden einer Welt, in der Milliardensummen bewegt, Jobs geschaffen und wegrationalisiert werden: die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne. Doch bei einer Aufgabe scheitern sie auffällig oft: den richtigen Zeitpunkt für den eigenen Abgang zu finden.

VW-Konzernchef Martin Winterkorn, der frühere Telekom-Chef Ron Sommer oder Post-Chef-Klaus Zumwinkel – die Liste der Manager ist lang, die erst wie Popstars gefeiert wurden und dann ansehen mussten, wie ihr Ruhm zerbröselte, nachdem sie den richtigen Moment zum Rücktritt verpasst hatten.

Der Wirtschaftsprofessor Michael Jarrett von der angesehenen französischen Wirtschaftshochschule Insead hat das Problem auf den Punkt gebracht. „Gewöhnlich gehen sie nicht, bis sie dazu gezwungen werden“, schrieb er mit Blick auf die Managerelite.

Dass es auch anders geht, zeigen derzeit gleich zwei Vorstandsvorsitzende deutscher Dax-Konzerne. Henkel-Chef Kasper Rorsted und Bayer-Boss Marijn Dekkers präsentieren zum letzten Mal die Bilanzen ihrer Unternehmen. Beide räumen ihre Chefsessel in den kommenden Monaten – und das in einem Moment, der an das Sprichwort erinnert: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Dekkers steht seit 2010 an der Spitze des Leverkusener Pharma- und Pflanzenschutzkonzerns. Er hat das Unternehmen in dieser Zeit ganz auf die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz ausgerichtet und es mit dieser Strategie zum zweitwertvollsten im Dax gemacht. Seinen Abschied hatte der gebürtige Niederländer bereits im Sommer 2014 angekündigt. Die Begründung: Der 58-Jährige will mehr Zeit für seine Familie haben.

Der Däne Rorsted hat die Leitung des Henkel-Konzerns 2008 in einem schwierigen Marktumfeld übernommen und in seiner Amtszeit den Börsenwert des Konzerns verdreifacht. Im Herbst wechselt der begeisterte Sportfan in den Chefsessel von Adidas. „Das war eine Leidenschaftsentscheidung“, erklärte Rorsted in einem Interview. Doch sieht der Manager auch grundsätzliche Argumente für eine solchen Schritt. Ein Vorstandsvorsitzender sollte ein Unternehmen nicht zu lange führen, glaubt er. „Für mich war einfach die Zeit reif für eine neue Herausforderung.“

Zahlreiche andere Manger tun sich mit dem Loslassen schwerer als die beiden. „Der eigene Rücktritt sollte im Denken der Manager eine große Rolle spielen, aber er tut es oft nicht,“ berichtet Isabel Poensgen, die Führungskräfte seit vielen Jahren als Coach betreut. Die Manager seien viel zu sehr in operative und strategische Aufgaben eingebunden. Daher lasse ihnen der Terminkalender kaum Zeit, sich selbst zu hinterfragen.

Dabei ist es nach Einschätzung der Expertin auch für die Unternehmen wichtig, dass die Manager mit sich selbst im Reinen sind. „Wenn man klare Pläne für die eigene Zukunft hat, verschafft einem das eine innere Unabhängigkeit. Das ist wichtig für die Arbeit als Manager.“

Auch Wulf Bernotat sieht an dieser Stelle Nachholbedarf. Er selber stand mehrere Jahre an der Spitze des Energieriesen Eon. Nach seinem Rücktritt gründete er eine Beratung für Führungskräfte, die Bernotat & Cie. „Ich glaube, über Rücktritt denkt man als Vorstandschef nur nach, wenn man in das Alter kommt, in dem ein solcher Schritt naheliegt. Aber dafür sind viele CEOs heute zu jung“, sagt er. Nach einer Studie der Unternehmensberatung sind die Firmenchefs im deutschsprachigen Raum bei ihrem Ausscheiden im Durchschnitt gerade erst 56 Jahre alt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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