Dax-Konzerne Die Rückkehr der Privataktionäre

Das Interesse von Kleinaktionären an Hauptversammlungen der Konzerne schien beinahe erloschen. Doch dieser Trend ist gekippt. Heute freuen sich die Firmen über steigende Besuchszahlen, denn das hat handfeste Vorteile.
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Die Hauptversammlung der Deutschen Börse in Frankfurt. Quelle: dpa

Die Hauptversammlung der Deutschen Börse in Frankfurt.

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DüsseldorfDeutschlands Privataktionäre, die sich vor zwölf Jahren nach dem Platzen der Internetblase vom Investorenmarkt zurückgezogen hatten, melden sich zurück. 7 000 Aktionäre der Deutschen Bank strömten Ende letzter Woche in die Festhalle nach Frankfurt - und damit 1 300 mehr als im Vorjahr. Auch der Autokonzern Daimler erlebte das wiederentflammte Interesse der Kleinaktionäre. 600 mehr als im Vorjahr begrüßte er auf seiner Hauptversammlung in Berlin. Mit durchschnittlich 59,5 Prozent des stimmberechtigten Kapitals lag die Aktionärspräsenz bei den diesjährigen Hauptversammlungen der Dax-Konzerne nach Handelsblatt-Berechnungen so hoch wie noch nie in diesem Jahrtausend. Im Vorjahr waren es 57,2 Prozent.

Bei gut 20 der 30 Dax-Konzerne ist die Präsenz gegenüber 2011 gestiegen, allen voran bei der Deutschen Börse. Sie kam auf 59,7 Prozent. Kräftige Zuwächse gab es auch bei Bayer, Infineon, Merck und Thyssen-Krupp. VW und MAN verdanken ihr großes Plus der engeren Verflechtung. MAN-Aktien sind fast ganz im Besitz von VW. Als letzter Konzern hatte am Donnerstag die Deutsche Bank ihre Aktionäre geladen.

Bis Ende der 90er-Jahre waren stets 60 und mehr Prozent des stimmberechtigten Kapitals gekommen. Dafür reichte aber oft eine Handvoll Aktionäre aus. Die Firmen waren fast allesamt verflochten und die Aktien wenig gestreut. Als die rot-grüne Bundesregierung nach der Jahrtausendwende Beteiligungsverkäufe von der Steuer befreite, löste sich die Deutschland AG auf - und die Aktien gerieten meist in die Hände ausländischer Großaktionäre. Mit ihnen sank die Präsenz zunächst drastisch bis auf 45,9 Prozent im Jahr 2005. Danach stieg sie wieder an.

"Die Investoren erkennen, wie wichtig es ist, ihre Stimme wahrzunehmen. Gleichzeitig bemühen sich die Unternehmen um eine hohe Präsenz, denn sie wollen Zufallsmehrheiten verhindern und ihren Beschlüssen eine höhere Legitimation verschaffen", sagt Franz-Josef Leven, Direktor des Deutschen Aktieninstituts.

Maßgeblichen Anteil an der steigenden Präsenz haben professionelle Dienstleister wie "International Shareholder Services" (ISS) und Registrar Services, eine Tochter der Deutschen Bank. Sie beraten Anleger und Firmenvorstände, liefern Analysen zu Tagesordnungspunkten bis hin zu Stimmabgabe-Empfehlungen.

Gerade ausländische Investoren nutzen dies gern. Ohne diese Hilfe fühlten sich amerikanische, australische und asiatische Vermögensverwalter und Staatsfonds oft nicht sattelfest, um über deutsche Vergütungssysteme und Vorratsbeschlüsse für Aktienrückkäufe abzustimmen.

„Ein stabilisierendes Element“
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7 Kommentare zu "Dax-Konzerne: Die Rückkehr der Privataktionäre"

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  • Den Zusammenhang zwischen Anzahl der Anwesenden und Höhe der Stimmpräsenz finde ich gewagt, da die meisten der Teilnehmer eh nur 1-2 Aktien für's Buffet haben. Und seit man die Kosten für Fahrten zur HV nicht mehr absetzen kann, lohnen sich Anreisen über 100km (betriebswirtschaftlich) auch nicht mehr.

    P.S. Wenn die Hausbank keine Aktien mehr auf HVs vertritt, gibt es immer noch den Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft.

  • Sehe das auch so - die Gehälter sind viel zu hoch. Anstatt der reinen Orientierung an Umsatz,Rendite; muss eine stärkere Orientierung am Durchschnittgehalt der Mitarbeiter her.

    Da müssen die Aktionäre in Dt. noch viel mehr erzogen werden. Noch sind die HV's vielfach Rentnertreffs mit Applaus für den Chef im Einheitstakt (wie das halt früher immer so üblich war).

  • Die Verringerung der Präsenz auf den Hauptversammlungen resultiert doch auch bzw. in sehr hohem Maße daraus, dass die Depot führenden Banken - zumindest die meisten - das Stimmrecht nicht mehr ausüben. Früher erhielt der Kleinanleger die Einladung zur HV und dazu die Möglichkeit, sein Stimmrecht über seine depoverwaltende Bank wahrzunehmen. Heute bieten die Banken diese Möglichkeit, die ja Geld (und vor allem Zeit) kostet, nicht mehr und dem Aktionär bleibt nur der direkte Besuch der HV oder die - teilweise mühselige - Suche nach jemandem oder einer Vereinigung, die das Stimmrecht übernimmt und für ihn ausübt. Da dieses aber umständlich und aufwändig ist, verzichten die meisten Aktionäre - auch ich - darauf, dass die gehaltenen Aktien auf der HV vertreten werden.

  • Die Abstimmungen auf den HVs sind doch kaum ernst zu nehmen. Ob man den Vorstand und Aufsichtsrat entlastet oder nicht spielt im Endeffekt doch kaum eine Rolle. Auch kann man die Kandidaten für den Aufsichtsrat lediglich absegnen, nicht aber bestimmen (man bekommt ja eine feste Liste vorgesetzt, auf deren Zusammenstellung man keinen Einfluss hat). Ich würde es gerne sehen, wenn man den Vorstand wie bei einer französischen oder US-amerikanischen Präsidentschaftswahl direkt und unter Berücksichtigung seiner Gehaltsforderung wählen könnte. Gerade die Gehaltsforderungen von Voständen und Aufsichtsräten finde ich nämlich zumeist völlig überzogen, sehe hier unter der derzeitigen Abstimmungspraxis jedoch keine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Als Aktionär/Firmeneigner ist man somit ausgeliefert und muss leidvoll mitansehen, wie die Beschäftigten (Vorstände und Aufsichtsräte) ihr Gehalt selbst festlegen und einen ausplündern.

  • Dummes Zeug. Investition in Aktien, ist eine Investition in Sachwerte. Wer sein Geld nur in Euros liegen hat ist das Schad, das dumme Schaf. Wenn Kleinaktionäre mehr Flagge auf den HVs zeigen hilft dies vielleicht dabei , das ein wenig mehr Wert auf eine angemessene Bezahlung der Vorstände gelget wird. Ich empfehle dringen eine Mitgliedschaft im SDK

  • Man braucht neue Schafe die ihr Geld verlieren damit andere Gewinnen können

  • Oky, was also heißt, dass man neue Aktienkäufer braucht, um den kommenden Abschwung aufzufangen.

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