DBA und LTU: Hans Rudolf Wöhrl: Kerosin im Blut

DBA und LTU
Hans Rudolf Wöhrl: Kerosin im Blut

Schwierige Fälle sind sein Geschäft. Nach der DBA ist Hans Rudolf Wöhrl nun Haupteigentümer der LTU. Mit seiner bunten Flotte will er die Lufthansa das Fürchten lehren.

MÜNCHEN. Das Geschäft roch faul. Einen Euro wollten die Manager der British Airways haben, der Käufer bekommt 16 Flugzeuge und eine üppige Mitgift. Zehn Jahre haben die Briten nur Verlust in Deutschland gemacht, sie wollen den Albtraum um jeden Preis beenden. Alle namhaften Interessenten winken ab, ein Außenseiter greift zu. Über Nacht wird Hans Rudolf Wöhrl Besitzer der Deutschen BA.

Fast drei Jahre liegt die Episode zurück. Keine zwölf Monate hatte die Branche damals Wöhrl und seiner DBA eingeräumt, spätestens dann sei die Mitgift von 70 Millionen Euro verflogen – das unkten die Experten.

Wöhrl hat sie alle eines Besseren belehrt: Im vergangenen Jahr schrieb das einstige Millionengrab erstmals schwarze Zahlen. Und seit diesem Wochenende dreht der gelernte Textilkaufmann aus Nürnberg das ganz große Rad: Seit Freitag ist Wöhrl Haupteigentümer des angeschlagenen Ferienfliegers LTU. Diesmal sei sogar „richtig Geld“ geflossen, sagt er. Aber wieder sieht der Versuch, das Millionengrab zu sanieren, hoffnungslos aus.

Fliegen ist Hans Rudolf Wöhrls Leidenschaft, und den Geschäftssinn legte man ihm gleich in die Wiege. Gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard übernimmt er 1970 die fünf Bekleidungsläden des Vaters in Nürnberg. In den folgenden Jahren bauen die Wöhrls ein kleines Imperium auf. Heute ist die Textilkette mit 40 Geschäften in Süddeutschland Platzhirsch. Und als andere Jugendliche mit 18 vom Autofahren träumten, machte Wöhrl als Erstes einen Pilotenschein. 1974 gründet er den Nürnberger Flugdienst, Vorläufer der späteren Eurowings, die heute zur Lufthansa gehört. Früh hat er gelernt, mit mehreren Bällen zu jonglieren. „Beide Mal muss ich verkaufen. Einmal sind es Tickets, zum anderen eben Hosen und Kleider“, sagte er einmal.

Mittlerweile hat er die Führung des Textilgeschäfts an seinen Bruder abgegeben, die DBA zu retten ist nun seine Mission. Hatte British Airways noch versucht, mit viel Service gegen die Lufthansa im Inlandsverkehr anzutreten, startet Wöhrl gleich nach der Übernahme ein neues Konzept. Kampfpreise auf den Rennstrecken zwischen München, Berlin und Düsseldorf sollen die Geschäftskunden mitten in der Konjunkturkrise anlocken. Damit die Kosten stimmen, muss die Belegschaft für zwei Jahre auf 20 Prozent Lohn verzichten.

Ganz der harte Hund ist Wöhrl aber nicht. Stets bespricht er wichtige Entscheidungen mit den Arbeitnehmern. Das kommt an, die Belegschaft vertraut auf die Sanierung und legt sich ins Zeug. Auch den Passagieren bleiben die schlimmsten Zumutungen des Billiggeschäftes erspart. Den Versuch, für Cola und Chips abzukassieren, gibt die DBA wieder auf. Es gibt weiter Platzkarten – und Schokoladenherzen am Ausgang.

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