Dealmaker
Wall-Street-Legende Wasserstein ist tot

Der berühmte Investmentbanker Bruce Wasserstein ist am Mittwoch in New York verstorben. Die 61-jährige Wall-Street-Legende war bereits am Sonntag mit Herzbeschwerden in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Wasserstein galt als einer der gefürchtetsten Verhandlungspartner, wenn es um große Übernahmen ging, mehr als 1 000 solcher Deals fädelte er ein.
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NEW YORK. Einer der gefürchtetsten und gewieftesten Dealmaker der US-Finanzgeschichte ist tot. Bruce Wasserstein, der in seiner Karriere mehr als 1 000 Übernahmen im Gesamtvolumen von mehr als 250 Mrd. Dollar einfädelte, ist am Mittwoch in einem New Yorker Krankenhaus im Alter von 61 Jahren gestorben. Eine Sprecherin der Investmentbank Lazard, die Wasserstein seit 2001 führte, bestätigte am Abend seinen Tod. Am Sonntag war Wasserstein mit Herzproblemen eingeliefert und stationär aufgenommen worden.

„Bruce Wasserstein war einer der Giganten im M&A-Geschäft. Er war eine zentrale Figur der Übernahmeschlachten der 70er, 80er und 90er Jahre“, sagte Francis Aquila, M&A-Spezialist bei Sullivan & Cromwell. Wasserstein gab sich bis zuletzt seiner Leidenschaft für komplexe und schwierige Übernahmen hin. So beriet er den US-Nahrungsmittelkonzern Kraft bei dem Versuch, den britischen Schokoladenhersteller Cadbury per feindlicher Übernahme zu schlucken. Im Laufe seiner Karriere war der Sohn eines wohlhabenden Textilfabrikanten unter anderem an der 31 Mrd. Dollar schweren Offerte des Private-Equity-Fonds KKR für den Mischkonzern RJR Nabisco sowie an der fast 16 Mrd. Dollar teuren Fusion der Mediengiganten Time und Warner beteiligt.

Der im bodenständigen New Yorker Vorort Brooklyn geborene Wasserstein machte sich vor allem mit rauen Methoden und gewieften Winkelzügen einen Namen. So erfand er die nach einem populären Videospiel der 80er Jahre benannte „Pac-Man-Verteidigung“. Dabei drehte das Opfer einer feindlichen Übernahme den Spieß einfach um, und versuchte seinerseits den Angreifer zu schlucken. „Er zauberte praktisch in jeder verfahrenen Situation einen weißen Hasen aus dem Hut“, schrieb Robert Slater in seinem Buch „The Titans of Takeover“.

Bereits mit 16 schrieb sich Wasserstein an der Universität von Michigan ein. 1970 machte er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften in Harvard, ein Jahr später legte er dort erfolgreich die Prüfung für den MBA ab. Nach einigen Jahren als Rechtsanwalt wechselte er 1977 zur Investmentbank First Boston und lernte dort seinen späteren Partner Joseph Perella kennen. Gemeinsam verließen sie 1988 das heute zur Credit Suisse gehörende Institut und gründeten die überaus erfolgreiche Investment-Boutique Wasserstein, Perella & Co. Über Auseinandersetzungen wegen der Machtverteilung in der - im Wall-Street-Jargon „Wasserella“ genannten - Firma schied Perella 1993 aus.

Wasserstein stieg endgültig in die Gruppe der wohlhabensten Amerikaner auf, als er sein Unternehmen im Jahre 2000 - auf dem Höhepunkt des damaligen Booms - für 1,56 Mrd. Dollar an die Dresdner Bank verkaufte. Deren Investment-Banking firmierte lange unter Dresdner Kleinwort Wasserstein. Im September 2009 rangierte Wasserstein mit einem Vermögen von 2,3 Mrd. Dollar auf Position 190 der reichsten US-Bürger.

Nach dem Dresdner-Bank-Coup ging seine Karriere jedoch bei einer altehrwürdigen Adresse der Finanzwelt weiter. Im Jahr 2001 wurde er von Michel David-Weill zur Investmentbank Lazard Frere geholt. 2005 setzte er sich mit dem Plan durch, Lazard an die Börse zu bringen. Im Streit verließ David-Weill die von seinen Vorfahren 1848 in New Orleans gegründete Firma. „Er hatte Angst, die Macht zu teilen und tat sein bestens, um mich zu vertreiben“, sagte David-Weill später ein einem Interview. Heute ist Lazard eines der erfolgreichsten Institute im New Yorker Finanzdistrikt und hat die aktuelle Krise bemerkenswert gut gemeistert. Der Tod Wassersteins trifft die Firma just in dem Augenblick, in dem das Geschäft mit Firmenübernahmen wieder anzuziehen scheint.

Wasserstein hatte erst Anfang 2009 seine vierte Ehefrau, die 35jährige Angela Chao geheiratet. Aus früheren Ehen hat hatte er 5 Kinder.

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