Debitel-Chef Axel Rückert
Der Mann ohne Eigenschaften

Wie Axel Rückert Debitel aufhübscht und für die Mitarbeiter ein Unbekannter bleibt.

DÜSSELDORF. Etwas Persönliches aus dem Leben von Axel Rückert? Eine Anekdote über den Mann an der Spitze des Mobilfunkanbieters Debitel? Oder gar ein Kompliment? Fehlanzeige. Seit einem Jahr ist der 60-jährige Rückert Debitel-Vorstandschef. Seitdem versucht er, das angeschlagene Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen – unter anderem mit der gestern verkündeten Übernahme des kleineren Konkurrenten Talkline.

Für die Mitarbeiter ist Rückert aber ein Phantom geblieben, ein Unnahbarer, ein Mann mit allenfalls einer Eigenschaft, die hervorsticht: „Für ihn zählen nur Finanzkennzahlen“, heißt es im Unternehmen, „er hat nichts anderes im Sinn, als die Zahlen zu optimieren.“ Gebe es etwas, das ihn daran hindere, etwa Mitarbeiter, die eine Abfindung wollten, „dann reagiert Rückert extrem kleinlich“, erzählt ein Manager aus dem Debitel-Umfeld.

Kein Wunder, wenn einige im Unternehmen in Rückert lediglich die Marionette des Debitel-Eigentümers Permira sehen: „Es geht doch nur darum, Debitel aufzuhübschen, bevor Permira die Firma abstößt.“

Dabei hat der Mann an der Spitze auch seinen Vorteil im Blick: Permira hat Rückert nach Angaben aus Unternehmenskreisen eine üppige Prämie in Aussicht gestellt, wenn er den Debitel-Wert steigert – sei es über Börsengang, Fusion oder Verkauf.

Seit einigen Jahren macht dem Unternehmen der zunehmende Preisdruck im Mobilfunk zu schaffen. Rückert reagierte darauf mit Zukäufen. Anfang 2007 erwarb er den Mobilfunkvertreiber Dug Telecom. Dass jetzt Talkline hinzukommt, erklären einige bei Debitel auch mit alten Banden zu dem bisherigen Talkline-Eigner TDC. An der Spitze des Konzerns steht Jens Alder, der Ex-Chef von Swisscom. Und Debitel war eine Swisscom-Tochter, bevor Alder sie vor drei Jahren an Permira verkaufte.

Jetzt ist es Rückerts Aufgabe, aus Debitel, Talkline und Dug Telecom eine Einheit zu formen. „Es gibt da einiges an Sparpotenzial, das wird Rückert mit Sicherheit schnell ausschöpfen“, heißt es bei Talkline. Es ist ein Gebiet, wo der Debitel-Chef sich gut auskennt, denn er arbeitete unter anderem bei der Unternehmensberatung McKinsey.

„Rückert muss in seiner jetzigen Position auch kaum mehr Rücksichten nehmen“, urteilen Branchenexperten. „Schließlich ist es angesichts seines Alters wahrscheinlich sein letzter Job.“

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