Dekabank
Franz S. Waas: Der umworbene Banker

In der Krise kommt er ganz groß raus: Franz S. Waas, Chef der Deka-Bank, hat bewiesen, dass er mit widerstrebenden Interessen im Aufsichtsrat bestens umgehen kann. Nebenbei beschert er seinem Geldhaus auch noch beachtliche Ertragsziffern - trotz Finanzkrise.

FRANKFURT. Kleiner Mann ganz groß. Das zu sagen, fällt bei Franz Waas schwer. Zwar zählt der drahtige Chef der Dekabank mit 1,75 Metern offenkundig nicht zu den größten Bankern im Land. Aber der Ruf eines Underdogs ist ihm noch nie vorausgeeilt. Zurecht. Seine Karriere verlief geradlinig aufwärts. Und in Zeiten der Finanzkrise hat er sich beachtlich geschlagen. Der zentrale Fondsdienstleister der Sparkassen, wie sich die Dekabank etwas umständlich nennt, erreichte beim wirtschaftlichen Ergebnis als zentraler Ertragsziffer immerhin noch 168 Mio. Euro im vergangenen Jahr - wenngleich das Ergebnis um fast 70 Prozent zusammenschmolz.

Doch Waas und seine Dekabank lassen sich auch in schwierigen Zeiten nicht lumpen. Sparkassen und Landesbanken erhalten als Eigentümer der Bank eine Dividende von mehr als zehn Prozent auf das gezeichnete Kapital. In Heller und Pfennig, besser in Euro und Cent, sind das mindestens 28,6 Mio. Euro, die der Mann mit den markanten Augenbrauen und dem sympathischen Gesicht seinen Anteilseigner zukommen lassen will. Und die können das Geld gut gebrauchen.

Kein Wunder, dass die Dekabank in diesen Wochen und Monaten wieder zum Objekt der Begierde wird und der 48-Jährige höllisch aufpassen muss, damit er alle von den Politikern und Verbandsoberen gelegten Fallstricke umkurvt. Da soll er einmal die Fondsgesellschaft der Sparkassen mit Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zusammenlegen, dann wieder mit der waidwunden WestLB und seit neuestem kursieren die Spekulationen, dass er bei der Verwaltungsratssitzung des Dekabank am 19. März den Prüfauftrag für eine Dreierfusion mit der Helaba und der WestLB erhält.

Ein Böser, wer Schlimmes denkt, aber wer Waas tief in die Augen schaut, kann erahnen, was er von einer Dreierfusion hält: nichts. Doch sagen wird er das nie. Da ist er in seiner Zeit an der Spitze der Dekabank seit Anfang 2006 viel zu sehr zum Politiker geworden. Nur mit viel Vorsicht überlebt es sich mit einem Verwaltungsrat im Rücken, der von sehr widerstrebenden Interessen in Landesbanken und Sparkassen geprägt ist. Erst vor kurzem hat sich der Dauerläufer und Frühaufsteher (jeden Morgen um fünf Uhr geht er am Main joggen) eine Rüffel von Heinrich Haasis eingehandelt, dem Chef des Sparkassen- und Giroverbandes. Leichtsinnig hatte der ehemalige Investmentbanker Waas gesagt, dass sich die Dekabank bei den Fondsgesellschaften zum größten Derivatehändler hinter der Deutschen Bank entwickeln werde. Haasis war schockiert und befürchtete, hier werde eine Zockerbude aufgemacht.

Da musste der Mann mit dem deutschen und dem amerikanischen Pass schnell aufklären, denn Derivate sind bei Fonds heute nicht mehr wegzudenken. Ihr Anteil nimmt jährlich zu. Als Sicherheitsfanatiker verzichtet er lieber auf Rendite und geht keine Risiken ein. Eine Verstaatlichung der drei isländischen Banken hat aber selbst Waas nicht vorhergesehen, was zu kräftigen Abschreibungen führte.

Franz S. Waas

1960 Waas wird in Landau an der Isar (Bayern) geboren

1980 Nach dem Abitur studiert er Betriebswirtschaftslehre

1985 Die berufliche Laufbahn beginnt er bei der damaligen Bayerischen Vereinsbank

1994 Wechsel in die Niederlassungsleitung der bayerischen Bank in New York

1999 General Manager der Landesbank Baden-Württemberg, Aufbau der Niederlassung New York

2001 Er gehört dem Vorstand der Landesbank Schleswig-Holstein und nach der Fusion später der HSH Nordbank an und verantwortet die Kapitalmarktaktivitäten sowie Private Equity

2006 Der Banker mit einer deutschen und einer US-amerikanischen Staatsbürgerschaft wird Vorstandsvorsitzender der Dekabank

Robert Landgraf
Robert Landgraf
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