Dells Methoden und seine Karriere fehlen in keinem amerikanischen Management-Lehrbuch
Abschied des großen Verkäufers

Dem „Austin American-Statesman“ ist es immer eine Schlagzeile wert, wenn sich Michael Dell selbst ins Call-Center setzt und eine Stunde lang am Telefon Computer verkauft. Für die Lokalzeitung der texanischen Hauptstadt ist es ein Zeichen, dass der berühmteste Einwohner von Austin, der Gründer und Chef des weltgrößten PC-Herstellers, trotz seiner riesigen Erfolge in den letzten 20 Jahren auf dem Boden geblieben ist.

MÜNCHEN. Die PR-Strategen des Computerbauers freuen sich noch aus einem ganz anderen Grund über Dells öffentlichkeitswirksame Basisarbeit. Sie wollen ihren eigenen Mitarbeitern beweisen, dass ihr Chef nicht so unnahbar ist, wie es meist scheint. Und Michael Dell selbst macht es offenbar Spaß, ein, zwei Mal im Jahr unmittelbar zu hören, was die Kunden wollen.

Am meisten Bewunderung vom eigenen Team erhält der 39-Jährige immer dann, wenn es ihm gelingt, den Kunden mehr anzudrehen, als im Basispaket eines Computers oder Notebooks enthalten ist. Hier eine größere Festplatte, dort eine aufwendige Grafikkarte: Das zeichne einen guten Verkäufer aus, heißt es stolz in dem Unternehmen – und daran muss sich der Chef messen lassen.

Von Freitag an kann sich Dell öfter die Zeit nehmen und einen Ausflug ins Call-Center vor den Toren Austins unternehmen. Auf der Hauptversammlung gibt Dell die Führung des von ihm vor 20 Jahren gegründeten Unternehmens an seinen langjährigen Vize Kevin Rollins ab. Dell wird Chairman.

Dells Methoden und seine Karriere fehlen in keinem amerikanischen Management-Lehrbuch. Obwohl oder gerade weil es der Texaner ganz ohne die berühmten Business-Schools geschafft hat. Als Student der University of Texas in Austin begann er 1984 Computer zu verkaufen. Startkapital: 1 000 Dollar. Seine Idee, die Geräte ausschließlich direkt zu vertreiben, war in der Branche revolutionär. Heute setzt sein Unternehmen mehr als 40 Milliarden Dollar jährlich um.

Dells Vermögen wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Um das viele Geld noch weiter zu mehren, hat der Texaner eine Investmentgesellschaft gegründet, die MSD Capital. Seine Stiftung MSDF Foundation dagegen kümmert sich um Kinder aus armen Verhältnissen.

Im persönlichen Gespräch ist Dell zuvorkommend und freundlich. Der Firmenlenker kennt sich in Details seiner Geräte aus, als habe er sie selbst entwickelt. Und über die Märkte weltweit ist er informiert, als würde er den Vertrieb in jedem Land selbst leiten.

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