Delta-Lloyd-Managerin Veronika Simons
Allein unter Männern

Sie ist es gewohnt, eine Ausnahme zu sein: Veronika Simons ist promovierte Bauingenieurin. Schon allein dadurch bildet das Vorstandsmitglied der Delta Lloyd Versicherungsgruppe in Deutschland eine Ausnahme. Die meisten deutschen Versicherungsvorstände sind Betriebswirte oder Juristen – aber vor allem: 97,5 Prozent der Vorstände sind Männer.

WIESBADEN. Die Versicherungsbranche zeichnet sich mithin durch eine stockkonservative Führungsriege aus. Der Frauenanteil der obersten Ebene liegt gerade mal bei 2,5 Prozent. Die bescheidene Quote hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin ermittelt. Die Forscher sehen darin eine „eklatante Diskrepanz zwischen dem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter in der Finanzbranche insgesamt (54 Prozent) und ihrer Repräsentanz in den Top-Entscheidungsgremien.“ Zudem: Kein deutscher Versicherer hat eine Vorstandschefin.

Für Veronika Simons (50) ist das nichts Neues. Die begeisterte Bergsportlerin ist bei Delta Lloyd mit sechseinhalb Jahren Amtszeit die Dienstälteste im Vorstand. Dabei kommt ihr zugute, dass Delta Lloyd zum britischen Aviva-Konzern gehört. Ausländische Gesellschaften stehen der Frauenfrage generell viel aufgeschlossener gegenüber, sagen Personalberater. Bei Aviva liegt der Anteil von weiblichen Führungskräften – Vorstände, Abtei-lungsleiter, Geschäftsführer, Regionaldirektoren – mit 18 Prozent doppelt so hoch wie in Deutschland mit 9,4 Prozent. Aviva-Vorstand Philip Scott hat das weibliche Potenzial erkannt. Bis 2014 will er den Frauenanteil im Führungskreis auf 40 Prozent steigern.

„Ich habe schon oft versucht, Frauen zu fördern“, verrät Simons dem Handelsblatt, „aber es ist mir nicht immer gelungen.“ Die Gründe seien vielschichtig: Oft stellten Frauen sich selbst ein Bein, entweder weil das Privatleben Vorrang habe, oder sie sich eine Füh-rungsposition nicht hundertpro-zentig zutrauten. Das trifft auf die Herrin der Informationstechnologie (IT) und des Produktmanagements von Delta Lloyd Deutschland nicht zu.

Simons hat ihre Chancen stets ergriffen. Als ihr an der renommierten Rheinisch-Westfälischen Technische Hochschule Aachen klargemacht wurde, dass Frauen in Ingenieurberufen nicht eingestellt würden, orientierte sie sich in Rich-tung IT. Ihr erster Job bei einer kleinen Unternehmensberatung in München brachte sie mit Versicherungsunternehmen in Berührung. Es folgte ein erster Ausflug in die Assekuranz nach München zur Continentale Lebensversicherung.

Danach zog es Simons zurück in die Beratung, zur Gesellschaft CSC Ploenzke.. „Ich wollte meinen Blick auf die Branche erweitern“, sagt die gebürtige Sauerländerin, die sich mit Jogging fit hält. „Bei CSC Ploenzke habe ich gelernt, ergebnisorientiert zu arbeiten, mich immer zu fragen, was bringt uns das.“ Zuletzt hatte sie die Münchener CSC-Geschäftsstelle für Versicherungen geleitet. 2001 wechselte sie zu Delta Lloyd nach Wiesbaden, der Tochter des britischen Marktführers Aviva mit 40 Mrd. Euro Beitragsumsatz. Delta Lloyd macht ihr Hauptgeschäft hierzulande mit der Altersvorsorge und kommt auf Beitragseinnahmen von gut 540 Mill. Euro.

Ihre Weitsicht hat die 50-jährige Versicherungsmanagerin sich bewahrt. Mit Erfolg: Delta Lloyd ist dank ihrer Produktoffensive der erste Versicherer in Deutschland, der die Pflegeversicherung auf Demenzerkrankungen ausgeweitet hat. Damit war sie sogar der Sozialversicherung voraus, die erst im nächsten Jahr folgt.

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