Demographischer Wandel
Das Ringen um den betagten Kunden

Deutschland wird immer älter. Für viele Unternehmen birgt der demografische Wandel neue Absatzchancen. Man muss sie nur erkennen. Höchste Zeit für die Konzerne, sich um die lukrative Zielgruppe der älteren Menschen zu kümmern.

DÜSSELDORF. Alle drei bis vier Jahre einen neuen Wagen zu kaufen, entweder von BMW oder von Mercedes, das gehört für Max B. einfach dazu. So war es zu Zeiten seiner Tätigkeit als Geschäftsführer und so soll es auch jetzt sein. Der 76 Jahre alte Rentner ist aber nicht nur in Autohäusern ein gerne gesehener Gast, ebenso passioniert bucht er Reisen in ferne Länder, kauft teure Geräte zur Pflege seines imposanten Gartens und surft nachmittags quer durchs Internet.

In keiner Generation zuvor waren ältere Menschen so agil wie heute. Und niemals zuvor waren es - prozentual gesehen - so viele wie heute. Im Jahr 2050, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers (PwC), wird ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland mindestens 60 Jahre alt sein.

Die älteren Menschen werden nicht nur immer mehr, sie verfügen auch über eine große Kaufkraft: Berechnungen des statistischen Bundesamtes zeigen, dass die 55- bis 65-Jährigen mit knapp 2 360 Euro monatlich pro Haushalt mehr für den Konsum ausgeben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Höchste Zeit für die Firmen, sich um diese lukrative Zielgruppe zu kümmern.

Doch genau daran hapert es: "Es muss noch viel gemacht werden", urteilt Gundolf Meyer-Hentschel, Gründer des Meyer-Hentschel-Instituts in Saarbrücken, das sich mit dem Verhalten älterer Konsumenten beschäftigt. Nur etwa 40 Prozent der deutschen Unternehmen seien bei diesem Thema "in der einen oder anderen Weise unterwegs", schätzt der Experte, 60 Prozent würden hingegen gar nichts tun.

Das hat fatale Folgen: "Wer in Zukunft wachsen will, muss sein Unternehmen auf den ,Demografie-Prüfstand? stellen", warnt Gerd Bovensiepen von PwC. Während sich einzelne Branchen wie Banken, Versicherungen und Touristik auf die Bedürfnisse der älteren Verbraucher eingestellt haben, gebe es vor allem bei Handelsunternehmen und Konsumgüterherstellern noch Nachholbedarf, heißt es in einer PwC-Studie.

Sicherlich gibt es "geborene Gewinner" des demografischen Wandels, wie etwa die Dienstleister im Gesundheits- und Medizinbereich. Dennoch gilt: "Wer von dem demografischen Wandel profitieren wird, das haben die Unternehmen selbst in der Hand", meint Meyer-Hentschel. Und zwar quer durch alle Branchen.

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