Den Börsengang zieht der Premiere-Chef fast im Alleingang durch: Porträt eines Verkäufers: Ein Denkmal für Kofler

Den Börsengang zieht der Premiere-Chef fast im Alleingang durch
Porträt eines Verkäufers: Ein Denkmal für Kofler

Hinten in der Ecke, im Besprechungszimmer neben dem Regal auf dem Boden, liegen achtlos die angestaubten Trophäen früherer Tage. Eine silberne Statue des Fachblatts „Horizont“: Georg Kofler, „Mann des Jahres 1994“. Daneben eine große, goldene Kugel der Zeitschrift „Gong“ aus dem Jahr 1997: „Topmanager mit Herz“.

MÜNCHEN. Jetzt will sich der Premiere-Chef mit seinem neuen Projekt endlich ein echtes Denkmal setzen. Seit zwei Jahren arbeitet er am Börsengang des größten Pay-TV-Unternehmens in Deutschland. Morgen startet die Zeichnungsfrist. Ab dem 9. März soll die Premiere-Aktie an der Börse gehandelt werden. Es wäre der erste große Börsengang eines Medienunternehmens seit dem Crash vor vier Jahren.

Gut gelaunt, leicht gebräunt, betont selbstbewusst empfängt der 47-jährige gebürtige Südtiroler in diesen Tagen seine Gäste. Der Stress der Börsenvorbereitungen ist ihm kaum anzusehen. Gerade hat ein Mitarbeiter ihm aktuelle Zahlen gereicht. Danach haben sich über 8 000 Privatanleger allein am Vortag für die Premiere-Aktie interessiert und die Internet-Seite www.aktie.premiere.de angeklickt. „Das ist doch gut“, freut sich Kofler. Stolz läuft er umher, zeigt Prospekte, blättert zufrieden darin: „Als Erster vom Fernsehen der Zukunft profitieren“, steht vorne drauf.

Der langjährige Vertraute und frühere Büroleiter des Medienunternehmers Leo Kirch ist ein Verkaufstalent. Wortreich schildert er die Vorzüge von Premiere, schwärmt, lacht, schwärmt und lacht wieder. Die Premierezahlen kann er längst auswendig: 3,4 Millionen Abonnenten, 40 Prozent Umsatzplus im Kerngeschäft. Dann springt er auf und schaltet einen gewaltigen Fernseher gleich neben seinem Schreibtisch ein. Über den Schirm flimmern Landschaftsaufnahmen in HDTV-Qualität, dem hochauflösenden TV-Standard, der bald nicht nur Fernsehfreaks erfreuen soll. Das sind die Träume, aus denen Premiere ist.

Als „begnadeten Kommunikator“ bezeichnen viele den gelernten Skilehrer. Der unterhält beste Kontakte in die Münchener Medien- und Partygesellschaft. Meistens taucht er mit seiner Lebenspartnerin Prinzessin Christiane zu Salm auf, der Chefin des Mitmachsenders 9-Live. Seit August haben die beiden eine gemeinsame Tochter. Von seiner Frau Josée lebt Kofler getrennt.

Längst vergessen ist bei vielen Medienschaffenden, dass Kofler den Einkaufssender Hot nicht auf Kurs brachte, den er einst mit Kirch-Sohn Thomas gemeinsam betrieb. „Der Kofler hat das Talent, auch kritische Fragen so herumzudrehen, dass es positiv rüberkommt“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin noch heute voller Bewunderung.

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