Den eigenen Kopf auf Fahndungsplakat entdeckt
Auf dem Lastwagen fürs Leben gelernt

Wie lernt man, ein gutes Unternehmen von einem schlechten zu unterscheiden? Hanns Ostmeier, Deutschland-Chef der Blackstone Group, hat eine ungewöhnliche Antwort: als Lastwagenfahrer.

LONDON. Als Schüler und Student fuhr er jahrelang Stückgut durch die westfälische Heimat. „Wenn man jeden Tag 20 Firmen von der Laderampe her sieht, dann merkt man schnell, welche gut geführt sind“, erzählt er. Heute blickt Ostmeier per Due Diligence Unternehmen in die Bücher, um zu entscheiden, ob sich ein Kaufangebot lohnt. Doch der persönliche Eindruck ist mindestens so wichtig wie die Zahlen.

Als Partner der Blackstone Group vertritt Ostmeier in Deutschland einen der größten Private-Equity-Investoren der Welt. 8,5 Milliarden Dollar groß sind die beiden Fonds, aus denen die vor zwanzig Jahren gegründete Gruppe derzeit investiert. Der nächste Fonds, den Blackstone gerade einwirbt, wird nach Branchenschätzungen die Zehn-Milliarden-Marke knacken. Gründer Stephen Schwarzman ist eine Legende der Szene, und er führt das Unternehmen straff von New York aus.

Blackstone ist mit weltweit 50 Private-Equity-Managern, darunter zwölf Partnern, schlanker als Konkurrenten mit ähnlich vollen Kassen. Entscheidungen fallen hier schnell, und das gefällt Ostmeier. „Ich wollte nie ein Konzernmensch sein“, sagt der gemütlich wirkende Mann mit dem graumelierten Haar und der rundlichen Brille. Darum heuerte er nach Studium und Promotion beim Münsteraner Marketing-Guru Heribert Meffert 1991 bei der Boston Consulting Group an. Nach fünf Jahren als Unternehmensberater wechselte er zu BC Partners – damals waren Private-Equity-Fonds noch exotisch in Deutschland. Seit 2003 hat er für Blackstone das Deutschland-Geschäft aufgebaut – und bereits einen unübersehbaren Fußabdruck hinterlassen: Celanese, Gerresheimer Glas, Kabel Baden-Württemberg, Sulo – immer war Blackstone im Spiel.

Und das, obwohl die Deutschland-Zentrale mit sieben Beschäftigten in Hamburg liegt, nicht gerade im Zentrum der Private-Equity-Szene. Doch am Rand der Hansestadt lässt es sich gut mit seiner Frau und den vier schulpflichtigen Kindern wohnen. Und es ist nicht weit zum Haus auf Sylt und zum Hochsee-Segelboot in Flensburg, mit dem er schon einmal den Atlantik überquert hat.

Geschockt hat Ostmeier allerdings die „Heuschrecken“-Diskussion, vor allem die Aufmachung einer Sonntagszeitung, die ihn an ein „RAF-Fahndungsplakat“ erinnerte. Nachdem dort sein Kopf erschien, hätten Reporter sogar bei seiner Frau angerufen. „Das geht entschieden zu weit“, sagt er. Doch die Branche müsse auch kommunizieren. Er sehe es als seine Aufgabe an, im Gespräch mit Medien zu erklären, wie Firmen wie Blackstone arbeiten.

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