Den Zwei-Millionen-Dollar Job hingeschmissen
„Wollen wir schlafen oder gewinnen?“

Der unkonventionelle US-Staranwalt David Boies soll Leo Kirch retten. Wenn es einer schaffen kann, dann Boies, sagen die juristischen Experten in Amerika. Er gilt ein bisschen als Sonderling. In seinem Büro in Manhattan steht kein Computer.

Im Gericht trägt er nicht – wie andere Kollegen seines Kalibers – 1 000 Dollar teure Maßanzüge, sondern Sakkos von der Stange. Und schwarze Turnschuhe, weil sie so schön bequem sind. Gemüse verabscheut der 63-Jährige genauso wie gesundes Essen. Dafür kann er Berge von Hamburgern verdrücken und arbeiten wie ein Packesel, wie er selbst gerne über sich sagt. Und wie kaum ein Zweiter treibt er denn auch seine Angestellten an.

David Boies ist ein Superstar, der „Michael Jordan unter den Anwälten in Amerika“, schrieb die „New York Times“. Und genau diesen Superstar hat sich jetzt Filmhändler und Pleitier Leo Kirch gesichert. In New York soll Boies das Gericht davon überzeugen, dass der Ex-Chef der Deutschen Bank Rolf Breuer gemeinsam mit dem Liberty-Media-Chef John Malone Kirch vor zwei Jahren absichtlich in den Ruin getrieben habe. Die erste Klage von Kirch wurde bereits abgeschmettert. Doch Boies interessiert das nicht. Er will zunächst einmal Revision gegen das Urteil einlegen und den Kampf erneut aufnehmen.

Viele Insider glauben, dass Boies tatsächlich eine Chance hat. „Er ist der Mann, der aus schier unmöglichen Situationen noch einen Sieg herausholen kann“, sagt sein Kollege Jeff Blattner über ihn. Wer aber ist dieser David Boies tatsächlich? Was für ein Verteidiger macht sich da für Leo Kirch stark? Spurensuche.

Der 63-jährige ist als Weinliebhaber bekannt: Im Keller seines zehn Millionen Dollar teuren Anwesens in Westchester County in Upstate New York lagern immerhin 8 000 Flaschen. Boies’ Vita ist makellos: Er ist Yale-Absolvent mit Magna-Cum-Laude-Abschluss, war Mitglied des Justizausschusses des US-Senats, und das „Time Magazine“ hatte ihn einmal in der engeren Auswahl als „Mann des Jahres“. „Ein brillanter Kopf mit dem Erinnerungsvermögen eines Elefanten“, sagt Robert Silver, Partner der Anwaltskanzlei Boies, Schiller & Flexner.

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