Der 44-Jährige ist ein Qualitätsfanatiker
Porträt: Wolfgang Bernhard - Sanierer und Autonarr

Der neue VW-Topmanager Wolfgang Bernhard hat sich in seinen Jahren beim angeschlagenen US-Autobauer Chrysler den Ruf eines knallharten Sanierers erworben. Aber die Amerikaner haben ihm auch den Titel „Car Guy“ verliehen - dieses lobende Attribut erhält dort nur derjenige, der die Automobilproduktion aus dem Effeff kennt und darüber hinaus durch und durch ein Autonarr ist.

HB WOLFSBURG. Als solcher gilt auch VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der den früheren DaimlerChrysler-Manager Bernhard nun als Chef der Marke Volkswagen, der Kernmarke des VW-Konzerns, nach Wolfsburg holt. Der am 3. September 1960 im Allgäu geborene Bernhard gilt allerdings nicht nur als Sanierer, sondern auch als ausgesprochener Qualitätsfanatiker. Die Qualität bei Chrysler hat er nach Expertenmeinung deutlich verbessert.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Bernhard, der sich sein Studium auch schon mal als Straßenmusiker verdient hat, kam über einen Umweg beim Unternehmensberater McKinsey Anfang der 90er Jahre zur damaligen Mercedes-Benz AG. Er leitete ein Projekt zur Senkung der Materialkosten und zur Steigerung der Produktivität.

Mit der Leitung der S-Klassen-Montage und dem Chefposten beim hauseigenen Veredler AMG im Jahr 1999 machte Bernhard schnell Karriere. DaimlerChrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp schickt ihn 2000 zusammen mit Dieter Zetsche zur Rettung von Chrysler nach Detroit. Bernhard leitete harte Sanierungsschritte ein, kürzte 26 000 Jobs und schloss etliche Werke.

Ende April 2004 kam dann der Karriereknick bei DaimlerChrysler: Überraschend wurde Bernhard vom Aufsichtsrat von dem für ihn vorgesehenen Posten des Chefs der Mercedes-Car Group entbunden. Er hatte intern Mercedes als Sanierungsfall bezeichnet und damit sowohl die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrats als auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert gegen sich aufgebracht.

Bernhards Vorstands-Vertrag bei DaimlerChrysler war Ende Juli aufgelöst worden. Nach unbestätigten Berichten hat er keine Abfindung erhalten, konnte aber sofort Verhandlungen mit potenziellen neuen Arbeitgebern aufnehmen - das Rennen um ihn machte Volkswagen.

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