Der 71-jährige Gerald Grinstein soll Delta wieder zurück in die schwarzen Zahlen bringen
Der alte Mann und die Airline

In drei Jahren lässt sich eine Fluggesellschaft retten – das hat Gerald Grinstein als Chef von Western Airlines bewiesen. Aber in drei Monaten? Anscheinend nicht. Ernüchternde Zahlen legte Grinstein gestern vor – seit drei Monaten ist er Vorstandschef von Delta Airlines. Die drittgrößte US-Fluggesellschaft steckt weiter tief in den roten Zahlen.

NEW YORK. Grinstein nannte den Verlust für das erste Quartal „enttäuschend“. Kontinuierliche Verluste in Höhe von knapp 400 Millionen Dollar seien unhaltbar, Delta müsse einen positiven Cash-Flow generieren, um die Verschuldung abzubauen. Seine vorrangige Aufgabe sei, eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur zu erreichen.

Immerhin kennt er das Unternehmen: Seit 16 Jahren sitzt er im Verwaltungsrat. Was aber nur bedeutet, dass er nun korrigieren muss, was er als Aufseher mit anrichtete.

Der sonst so charmante ältere Herr greift zu deutlichen Worten und warnt vor einer möglichen Pleite. „Wenn wir unsere Kosten nicht herunterbekommen, können wir in diesem Markt nicht überleben. „Ich bin eure letzte Hoffnung“, sagte er kürzlich zu einer Gruppe von Piloten. Die sollen künftig auf 30 Prozent ihres Gehalts verzichten. Bereit sind sie nur zu neun Prozent. Das aber sei „wie eine Aspirin-Therapie nach einem schweren Herzinfarkt“, soll Grinstein gewütet haben.

Öffentlich macht er solche derben Äußerungen nur äußerst selten, von den Medien lässt er sich abschirmen. Kein Wunder, dass gern gelästert wird über die Altherrenriege, mit der er Delta wieder auf Kurs bringen will: Grinstein sitzt im Alter von 71 Jahren – und damit um elf Jahre älter als sein Vorgänger Leo Mullin – noch einmal in dem Chefsessel, den er in den 80er-Jahren bereits bei Western Airlines innehatte, bevor Delta das Unternehmen kaufte. An seiner Seite: John Smith, ein früherer Manager bei General Motors. Alter: 65.

So mancher zweifelt, ob dieses Duo die Wende bringt. Einige der 60 bisher hoch bezahlten Spitzenmanager haben angekündigt, Delta demnächst verlassen zu wollen. Die Nummer zwei, Fred Reid, wechselte bereits zum Billigflieger Virgin USA. Ohne fette Bonuszahlungen wird die Führungsetage weiter schrumpfen.

„Grinstein ist das Beste, was Delta passieren konnte“, sagte dagegen der ehemalige COO Maurice Worth. „Er wird Leistung fordern und durch gutes Vorbild führen.“

Das Energiebündel Grinstein scheint den Delta-Chefsessel keineswegs als kurze Unterbrechung von der Rente zu betrachten. Der Vater von vier erwachsenen Kindern liebt Herausforderungen, und bei der angeschlagenen Fluggesellschaft hat er mal wieder eine gefunden.

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